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Kampagne "You can't beat me"


In Halabja, in Raniya, Kalar und Penjween haben Mädchen eigene Vereine gegründet, in denen sie einer besonderen Leidenschaft nachgehen: Fußball. In diesen vier Orten fördert WADI Fußballclubs für Mädchen – und unterstützt sie damit bei der Verwirklichung ihrer eigenen Interessen und Neigungen.


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Das Leben hat nicht viele Freiheiten zu bieten für Jugendliche in Irakisch-Kurdistan. Angebote zur Freizeitgestaltung sind rar gesäht, die persönliche Zukunft ist infolge mangelnder Möglichkeiten, eine ökonomisch selbstständige Perspektive zu entwickeln, oft ungewiss. Dies trifft besonders Mädchen. Konservative Moral- und Familienvorstellungen lassen ihnen kaum Freiraum für eine eigenständige Entwicklung und die Entfaltung eigener Interessen und Neigungen. Außerhalb der Schule bleibt ihnen in der Regel nur die eigene Familie. Dort sind Mädchen dem traditionellen Rollenbild zufolge für die häusliche Reproduktion zuständig. Die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung und Entfaltung wird ihnen nur in den wenigsten Fällen gegeben.

Vielen Mädchen ist das nicht genug. In Halabja, in Raniya, Kalar und Penjween  haben Mädchen eigene Vereine gegründet, in denen sie einer besonderen Leidenschaft nachgehen: Fußball. In diesen vier Orten fördern WADI und HIVOS Mädchenfußballteams  - und unterstützt sie damit bei der Verwirklichung ihrer eigenen Interessen und Neigungen. 


Ausgerechnet Halabja

Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt beispielhaft der Mädchen Fußball Club in Halabja. Ende der 80er Jahre mit Giftgas bombardiert und zwischen 1994 und 2003 beinahe zehn Jahre unter der Kontrolle radikaler Islamisten steht die Stadt Halabja sinnbildlich für die leidvolle Geschichte des irakischen Kurdistan. Auch heute noch ist Halabja arm und unterentwickelt, Islamisten üben einen großen Einfluss aus in der Stadt. Für Jugendliche, vor allem für Mädchen, hat die Stadt nichts zu bieten. Frauen verlassen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus, Mädchen müssen außerhalb der Schule den Tag in der Regel im Haus der Familie verbringen. Dass sich ausgerechnet hier ein Mädchen-Fußballteam gegründet hat, ist etwas besonderes: Wer hier als Mädchen Fußball spielt, hat sich über große Hindernisse und Schwierigkeiten hinweggesetzt. Der Sport gibt den Mädchen Selbstvertrauen und Kraft. Und sie wissen, warum sie es tun: Sie wollen Fußball spielen - und sie treten ein für die Rechte von Mädchen.


Fußball und Mädchenrechte

Für die Spielerinnen aus Halabja ist klar: Der Kampf um den Ball und der Kampf für die Rechte von Mädchen und Kindern gehören zusammen. Häusliche Gewalt, Zwangsehen und Ehrtötungen von Mädchen sind in der gesamten kurdischen Gesellschaft verbreitet. 2011 hat das kurdische Regionalparlament auf Druck von Frauenrechts- und Hilfsorganisationen ein Gesetz verabschiedet, das häusliche Gewalt gegen Mädchen und Frauen unter Strafe stellt. Zwangsehen, physische und psychische Gewalt gegen Mädchen sind nunmehr offiziell verboten. Bislang hat das Gesetz aber einen vorwiegend symbolischen Wert - häusliche Gewalt ist nachwievor an der Tagesordnung, die Möglichkeit, zu heiraten, wen man liebt und nicht, wen die Familie auswählt, bleibt auf eine kleine liberale Oberschicht beschränkt. Und doch setzt sich langsam die Vorstellung durch, dass die Bekämpfung häuslicher Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Zur Umsetzung des Gesetzes von 2011 sind Sonderdezernate der Polizei- und Justizbehörden geschaffen worden, die in Fällen häuslicher Gewalt ermitteln. Daneben bedarf es aber eines viel grundlegenderen Wandels: Die Vorstellung muss sich weiter durchsetzen, dass Mädchen nicht das Eigentum ihrer Familie sind, über das – notfalls mit Gewalt – verfügt werden kann. Mädchen sind keine Objekte. Sie haben das Recht auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Der Sport und das gemeinsame Engagement für ihren Verein, geben Ihnen Selbstvertrauen und Kraft.

Deshalb unterstützen die Spielerinnen des Mädchen Fußball Clubs Halabja eine Aufklärungskampagne, die unter dem Slogan „You can’t beat me“ für Mädchenrechte und den Schutz vor Gewalt und Ausbeutung wirbt. Dies war ein Wunsch der Mädchen und auch ihre Familien unterstützen sie dabei. Mit ihrem öffentlichen Auftreten für ihren Sport und die Rechte von Mädchen sind sie ein Vorbild für viele andere in der Region.


Viele Mädchen in Irakisch-Kurdistan möchten Fußball spielen. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. In nur wenigen Orten haben sich bislang Sportclubs für Mädchen gegründet. Es fehlt an Knowhow, an Plätzen, an Unterstützung. Eine reguläre Liga existiert nicht. WADI fördert die Bemühungen von Mädchen, Vereine zu gründen und setzt sich dafür ein, dass eine regionale Mädchenfußball-Liga entsteht. Unterstützen Sie die Kampagne und fördern auch Sie Sportprojekte mit Mädchen.

 
 
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