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23.06.2011

Wadi-Pressemitteilung:

 

Kurdisches Regionalparlament verabschiedet Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmlung

 

 

Suleymaniah und Berlin den 23.06.2011

 

Der 22. Juni war ein guter Tag für die Frauen und Mädchen aus dem Nordirak. Mit großer Mehrheit hat sich das Regionalparlament in der kurdischen Autonomieregion des Irak für die Annahme eines Gesetzes ausgesprochen, das die Verstümmelung weiblicher Genitalien (FGM) künftig verbietet. Demnach macht sich künftig strafbar, wer aus traditionellen, religiösen oder anderen Gründen die gerne als »Beschneidung« beschönigte Operation an Frauen oder Mädchen durchführt.

 

Jahrzehntelang verschwiegen stellt FGM ein erhebliches Problem im Nordirak dar. Erst Studien, die seit 2007 von WADI mit lokalen Partnerorganisationen durchgeführt wurden zeigten, dass deutlich mehr als 60 Prozent der Frauen und Mädchen in der Region genital verstümmelt wurden. Der Eingriff, bei dem Teile des weiblichen Sexualorgans entfernt werden, hat oft schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen. Dauerhafte Angstzustände, Schmerzen und Unfruchtbarkeit sind keine Seltenheit. Der Eingriff selbst, der in der Regel von Laien unter mangelnden Hygienebedingungen durchgeführt wird, fordert immer wieder Opfer - Mädchen im Alter zwischen 2 und 8 Jahren verbluten oder sterben an den Folgen schwerer Entzündungen.

 

Die von WADI veröffentlichten Untersuchungsergebnisse lösten eine kontroverse öffentliche Debatte aus. Während die Existenz von FGM zum Teil geleugnet wurde, formierte sich über alle Parteigrenzen hinweg eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen und Parlamentarierinnen, die einen gemeinsamen Gesetzentwurf zum Verbot von FGM ins Parlament einbrachten. Unterstützt wurden sie durch eine von WADI geförderte Öffentlichkeitskampagne, die mit Fernsehspots und großflächigen Zeitungsanzeigen über FGM aufklärte.

 

Das jetzt verabschiedete Gesetz ist auch ein Erfolg dieser Kampagne. Wirkung wird das Gesetz zu allererst auf einer symbolischen Ebene entfalten. Um FGM wirkungsvoll und dauerhaft zu bekämpfen, werden zugleich mehr Anstrengungen gefordert sein. Es muss darum gehen, das Recht von Frauen und Mädchen auf Selbstbestimmung - über ihren Körper und ihr Leben - insgesamt auf die Tagsordnung zu bringen. Auf dem Weg dahin ist mit dem Anti-FGM Gesetz im kurdischen Nordirak ein großer Schritt getan worden.

 

 

Thomas Uwer

WADI - für den Vorstand

 

Unser Büro in Suleimaniyah steht Ihnen für Rückfragen unter dieser Nummer zur Verfügung: 00964-7701-588173

 

 
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