Das Jinda Center

Im Juli 2015 eröffnete WADI das Jinda-Zentrum für Mädchen und Frauen, die zuvor vom Islamischen Staat (IS) entführt und missbraucht worden waren.  Seit 2016 ist Jinda eine eigene kurdische NGO und enger Partner von Wadi.

Die Gesamtzahl aller Eziden und Ezidinnen, die Jinda in Kooperation mit WADI seit September 2014 bis heute hat unterstützen könnte, beläuft sich auf einige Tausende. Indessen ermöglicht die langjährige Arbeit in der Region und die entsprechend gute Vernetzung, einen ganz besonderen Zugang zu den Mädchen und Frauen. Im gleichen Zeitraum hat haben Jinda und Wadi somit bereits über 800 ehemalige Gefangene des IS betreut, die glücklicherweise haben entkommen können. Medizinisch, psychologisch, menschlich und durch den Versuch, international das Bewusstsein für die fürchterlichen Zustände zu schärfen, unter denen vor allem die Ezidinnen leiden, seit der Terror die Region erreicht hat. Hierbei wurden Hunderte von Fällen dokumentiert und in die Medien gebracht, in denen ein Mädchen oder eine Frau als Sexsklavin gehalten wurde.

Wenn diese Überlebenden in Dohuk ankommen, befinden sich diese Mädchen mental und körperlich in unvorstellbar schlechtem Zustand, nachdem viele (wenn nicht die meisten) Mädchen und Frauen oft monatelang , extremer Gewalt, Schlägen, Folter und sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren. Sie wurden teilweise zwangskonvertiert und als de facto Sklavinnen gefangen gehalten.

Cheman Rasheed, die Leiterin von Jinda erklärt:

The Jinda center opened as a long-term response to the overwhelming needs of women and girls who have escaped or been rescued from Daesh (ISIS) captivity. When they arrive in the Dohuk area, these women and girls, are in urgent need of care. Although we do not wish to sensationalize their experiences, it is important to understand that many (if not most) have suffered extreme violence, torture, beatings, forced conversion to Islam, sexual violence, captivity, and being sold as slaves.

Many have seen entire branches of their families killed, others have lost their husbands, brothers, and have their male children forcibly taken from them. Upon their return, they are in a fragile mental and emotional state, many feel conflicted about having ‘made it out’ while others are still held captive.

 Der Weg zurück ins Leben, so er überhaupt möglich ist, ist entsprechend schwer, und für die meisten auch ein sehr langwieriger Prozess. Viele fühlen sich zudem schuldig oder betroffen, es aus dieser Hölle herausgeschafft zu haben, während Familienmitglieder und Freundinnen weiter unter dem IS zu leiden haben: Die Mitarbeiterinnen von Jinda sind, zusammen mit dem Mobilen Team von Wadi Dohuk, fast täglich in den Flüchtlingslagern unterwegs und oft der erste Kontakt, den diese Mädchen nach der Flucht haben.

Sie sprechen mit ihnen, machen sich ein Bild von der jeweiligen Situation und leisten erste dringende Hilfestellungen. Aber nicht nur das: Auch Jahre nach der Rückkehr halten sich noch den Kontakt zu vielen dieser Mädchen und helfen ihnen, wenn sie zum Beispiel eine Ausbildung machen oder studieren möchten.

Außerdem erzählen sie ihnen von Jinda und was man dort für sie tun kann. Unsere Teams bestehen aus Experten, die mit dem nötigen Einfühlungsvermögen, Diskretion und Professionalität arbeiten; in den Camps und der Region allgemein genießen sie eine große Beliebtheit.

Im Jinda-Zentrum wird diese Arbeit und Arbeitsweise fortgesetzt. „Jinda“ ist ein kurdisches Wort für „neues Leben“. Und für einen Neustart ins Leben will das Zentrum seinen Beitrag leisten. Zwar ist es auch ein Schutzraum, vielmehr noch aber ein Ort, um neue Kraft zu schöpfen, genauso wie Hoffnung und ein neues Kapitel im Leben zu beginnen.

Aus den Projekten von Jinda:

Zu den Angeboten des Zentrums zählen neben psychologischer Betreuung, Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten mit jeweils bis zu 35 Teilnehmerinnen, etwa in den Bereichen Gärtnern, Handwerk, Handarbeit und Computer. So sollen Möglichkeiten geschaffen werden, dass sich die Mädchen später selbst versorgen können, womöglich auch ihre Familien. Einigen der Frauen, die von Jinda wurden und werden, haben sich mittlerweile selbstständig gemacht und verkaufen ihre eigene Produkte.

Während der Corona Pandemie half Jinda in den Lagern, die besonders betroffen waren, mit Aufklärungskampagnen und gezielter ökonomischer Unterstützung. Außerdem wurde eine Nähfabrik für Stoffschutzmasken eingerichtet.

Die individuelle Unterstützung wird dabei nicht vernachlässigt, ganz gleich ob es sich um medizinische, psychologische oder rechtliche Fragen oder Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden handelt. Ein wichtiger Aspekt bei alledem bleibt, dass die Mädchen und Frauen sich untereinander über ihre Erfahrungen und Gefühle austauschen können, ohne verurteilt zu werden und wissen, dass es diesen sicheren Ort für sie gibt.

In einer ähnlich verzweifelten Lage befinden sich die hunderte von Waisenkinder, die in der Region mehr schlecht als recht untergebracht sind. Auch ihnen gilt die Sorge der Mitarbeiterinnen von Jinda: Regelmäßig besuchen sie Waisenhäuser, machen Ausflüge mit den Kindern und feiern gemeinsam Feste. Außerdem stehen sie in Kontakt zu lokalen Behörden und anderen internationalen Organisationen, um etwa Familienzusammenführungen zu ermöglichen.

Unter anderem ist es diese Beständigkeit, die für ein großes Vertrauen gegenüber  Jinda (nicht nur) in der ezidischen Community ursächlich ist. Mittlerweile hat das Zentrum eine etablierte Funktion als Koordinationsstelle, für ezidische Aktivitäten, Projekte und Neuigkeiten übernommen.

Seit 2017 setzt Wadi in Dohuk gemeinsam mit Jinda ein Projekt für syrische Flüchtlingen um, in verschiedenen Lagern werden werden mehr als 6.000 geflüchtete syrische sowie südirakische Kinder und Jugendliche wie auch 400 Lehrerinnen und Lehrer in Primär- und Sekundarschulen unterstützt. Die Förderung umfasst dabei vielfältige Maßnahmen: Von der Bereitstellung des Lernmaterial über psycho-soziale Beratung und den Transport zum Unterricht bis zur Bezahlung von Löhnen.

Für die Arbeit mit traumatisierten Opfern von Gewalt, spezifisch auch sexueller, haben sich die Mitarbeiterinnen vielseitig ausbilden lassen, bei UNICEF, der Salt Foundation, Heartland Allicance, UNESCO und der Jiyan Foundation.

Wenn Sie diese wichtigen Projekte von unserem Partner in Dohuk unterstützen möchten, dann schreiben Sie bitte als Betreff „Jinda“ auf Ihre Überweisung.

Auszüge aus dem letzten Jahresbericht von Jinda, den es hier als Download gibt:

Die Arbeit von Jinda wird unter anderem ermöglicht dank der Unterstützung der Salt Foundation, der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden Württemberg  (SEZ) und Crosspoint Europe