Keep Kurdistan Green

„Keep Kurdistan Green“ – unter diesem Motto fördert ein zweijähriges, vom BMZ unterstütztes Wadi-Projekt die Umweltbildung an Schulen im kurdischen Nordirak. Wadi fördert bereits seit einiger Zeit Umweltschutz und Umweltpädagogik, etwa die Green City Halabja – Kampagne oder Baumpflanzaktionen unter Beteiligung der örtlichen Bevölkerung.

Seminar für Schülerinnen im Aran-Zentrum in Rizgari

In diesem Projekt werden Kinder gezielt an verschiedene Umweltproblematiken herangeführt. Dabei wird auch diskutiert, ob Menschen vor Ort möglicherweise durch Verhaltensänderungen zu einer Lösung oder Entschärfung der Problematik beitragen können. Kleine Schulprojekte sollen das Interesse wecken und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Die Bildung von Umweltgruppen an den Schulen wird gefördert; auch die Ernennung von Umweltbeauftragten unter der Lehrerschaft ist vorgesehen. Gemeinschaftliches, selbstorganisiertes Handeln soll dabei im Vordergrund stehen.

Das Projekt findet an 34 ausgewählten Schulen der Kurdenregion statt. Speziell geschulte Umweltteams der lokalen Organisationen NWE und ADWI besuchen diese Schulen immer wieder, um ein Vertrauensverhältnis zu den Schüler*innen und der Lehrer- und Elternschaft aufzubauen und damit letztendlich eine dauerhaftes Engagement bei allen Beteiligten sicherzustellen. Kontinuität und Verlässlichkeit haben sich immer wieder als Schlüssel für den Erfolg und die Nachhaltigkeit von Wadi-Projekten erwiesen.

Seminar für Angestellte einer Baumschule in Sirwan

Das Projekt wird durch Social Media und Presseberichterstattung auch über den unmittelbaren Kreis der Beteiligten hinaus Wirkung entfalten. Es ist eine Botschaft von individueller Verantwortung und kollektivem Handeln, die da vermittelt wird: Jede*r Einzelne trägt Verantwortung. Bewusstes Verhalten im Alltag trägt dazu bei, dass es der Natur und unserer unmittelbaren Umwelt besser geht. Und wenn wir uns organisieren, können wir unsere Kräfte vervielfachen und Erstaunliches bewirken.

Es ist ein Alltag, den sich kaum jemand in den reicheren Teilen der Welt vorstellen kann. In irakischen Städten wird Strom für die Haushalte täglich stundenlang über so genannte Nachbarschaftsgeneratoren gewonnen – große lärmende Schiffsdiesel, die ihre schwarzen Abgaswolken direkt in das Viertel und die Lungen der Einwohner*innen blasen. Haus- und Gewerbeabfälle werden unterschiedslos gesammelt und landen in der Verbrennungsanlage oder auf der Deponie, wo die Müllberge unter freiem Himmel vor sich hin schwelen. Je nach Windrichtung zieht der giftige Rauch dann auch durch bewohnte Gebiete. Städte gleichen Betonwüsten; in der Sommerhitze werden sie zum Backofen. Brüllende Generatoren treiben Tausende von Klimaanlagen an, ohne die es hier kein Überleben gäbe.

Treffen mit dem Leiter und den Lehrerinnen und Lehrern an der Grundschule Shorshy Nwe

Nicht, dass westliche Industrieländer ausreichend für den Umweltschutz täten. Doch praktisch sämtliche Umweltschutzvorkehrungen, die hier über die letzten 50 Jahre schrittweise eingeführt und weiterentwickelt wurden, sind in Ländern wie dem Irak bis heute nicht existent. Dort gibt es keine Mülltrennung, keinerlei Maßnahmen zur Müllvermeidung oder zum Energiesparen, keine Abgasreinigung, keine regenerative Energien und keine Ansätze biologischen Landbaus. Auch Maßnahmen zur Renaturierung, zum Artenschutz oder zur Entwicklung eines „sanften“ Tourismus wird man vergeblich suchen.

Bawanoor

In der Bevölkerung gab es lange kaum ein Problembewusstsein. Vieles wurde hingenommen, ohne es zu hinterfragen. Doch unter jungen Menschen ändert sich dies gerade. Über das Internet kommen sie mit aktuellen globalen Debatten in Berührung und möchten gern mehr erfahren und selbst Teil davon sein. Der Wunsch nach Veränderung wächst – der Wunsch, vor Ort selbst zu einer gesünderen und lebenswerteren Umwelt beizutragen.

Erstes Vorbereitungstreffen mit dem Umweltprojekt „Keep Kurdistan Green“

Freilich gibt es im Irak keine Tradition bürgerschaftlichen Engagements. Eher im Gegenteil: Impulse durften nur von oben kommen, in Gestalt von Befehlen und Verordnungen. Jeder Zusammenschluss war verdächtig. Heute ist dies nicht mehr in diesem Maße der Fall, und doch verdienen die vorhandenen zarten „Grassroot“-Ansätze unsere volle Unterstützung.