Rundbrief Januar 2012: „Man in Black“

rund 1-2012

„Anders als im Süden des Irak gelang damals in Irakisch-Kurdistan zumindest die Befreiung von der Diktatur Saddam Husseins. Von Freiheit ist auch der kurdische Nordirak heute weit entfernt. Und doch gab es positive Entwicklungen, früher hätte man hier vielleicht von Fortschritt gesprochen. Im regionalen Vergleich etwa sind Medien frei, die neue Generation weiß nur noch aus Erzählungen, was die allgegenwärtige Angst vor den Schergen der Geheimdienste einst für ihre Eltern bedeutete, und die Gehälter sind heute für die, die einen Job haben, zehn Mal höher als vor einer Dekade.

All diese Entwicklungen haben wir begleitet, wo wir konnten, und wir haben versucht einzugreifen und sie voranzutreiben. Dabei haben wir vor allem Eines gelernt: Nur ein langer, sehr langer Atem führt zum Erfolg. Wer in Monaten denkt, wie so viele Hilfswerke und Politiker dieser Tage, ist zum Scheitern verurteilt.

Als im Sommer diesen Jahres das kurdische Regionalparlament endlich ein umfassendes Gesetz zum Schutz von Frauen und Kindern gegen Gewalt verabschiedete, in dem ausdrücklich auch Genitalverstümmelung unter Strafe gestellt wird, dankten uns unzählige Aktivisten vor Ort für das jahrelange Engagement und beteuerten, ohne unsere Initiative und ausdauernde Unterstützung wäre dieses Gesetz wohl kaum so verabschiedet worden.

Besser als mit Verabschiedung dieses Gesetzes hätte unsere 20-jährige Arbeit im Irak nicht begangen werden können. Zugleich aber zeigt sich einmal mehr: Es sind die langen Zeiträume, die zählen. Wer jetzt ein Ende des „arabischen Frühlings“ und sein Scheitern beschwört, vergisst, dass, wer im Nahen Osten Veränderungen voranbringen will, in Zeiträumen von Jahrzehnten denken muss.

Und weil wir dies wissen, sind wir zwanzig Jahre geblieben und haben keineswegs vor, in absehbarer Zeit zu gehen.

Dass wir erreicht haben, was wir erreicht haben, verdanken wir auch Ihnen und Ihrer großzügigen Unterstützung, die sich nicht selten schon über eine Dekade erstreckt.“

Download des Rundbriefs