Erster Fall von Corona auf Lesbos festgestellt – Flüchtlinge besonders gefährdet

Während Covid-19 sich global ausbreitet, ist der besonderen Gefahr, in der sich Flüchtlinge angesichts des Virus befinden, bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Das Virus verbreitet sich aus nächster Nähe rasant und bislang gibt es kein Gegenmittel. Die einzigen ergreifbaren Maßnahmen sind präventive. Weltweit befinden sich Flüchtlinge in besonderer Gefahr; häufig werden sie bei Notfallplänen übersehen und schon beim Zugang zum Gesundheitswesen sind sie im Nachteil. Flüchtlinge haben oft keinen Zugang zu lokalen Ärzten und es ist möglich, dass sie aus Angst vor Abschiebung oder anderen Konsequenzen nicht ins Krankenhaus gehen. Das Leben in enger Nähe, wie in einem Camp, ist eine ideale Voraussetzung für das Virus, sich wochenlang zu vermehren, bis es zu spät ist.

Auf Lesbos haben Mitarbeiter/innen von Hilfsorganisationen aufgrund desaströser hygienischer Zustände, des Mangels an Trinkwasser, fehlender sauberer Toiletten, ungeklärten Abwassers, des Zeltlebens in Regen und Kälte und unzureichender Gesundheitsversorgung früh auf ein ernstes Pandemierisiko im Moria Camp hingewiesen. Diese Umstände machen präventive Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen fast unmöglich. Hier bestehen also die perfekten Bedingungen für den Virus, maximalen Schaden anzurichten – an einem Ort, der sich ohnehin schon an der Grenze der Belastbarkeit befindet und am den nun der erste Fall von Corona nachgewiesen worden ist. Zur Bereitstellung von Reaktionsplänen und technischer Unterstützung während der Krise kooperieren wir mit lokalen Gesundheitseinrichtungen.

Wadi, das seit 2018 Projekte auf Lesbos unterstützt, hat die potenziell verheerenden Auswirkungen des Corona-Virus verstanden, schnell reagiert und mit seiner Partnerorganisation „Stand by me Lesvos“ die „Refugee Corona Information Resource“ ins Leben gerufen – ein international kooperierendes Netzwerk, das in Griechenland lebende Flüchtlinge mit relevanten Informationen zum Corona-Virus versorgt.

Zum Zeitpunkt eines globalen Chaos ist Refugee-CIR speziell dafür vorgesehen, eine ruhige, zuverlässige und sorgfältige Informationsquelle für die Wahrnehmung, Symptome, Statistiken, Prävention und Behandlung des Coronoa-Virus als auch für generellen Nachrichten zum Thema zu bieten. Die Informationen beschafft unser gemeinsames Netzwerk durch Verbindungen mit den Herkunftsländern der Geflüchteten und sie sind verfügbar auf Englisch, Farsi, Französisch und Arabisch.

Das Refugee-CIR arbeitet in den Herkunftsländern der Flüchtlinge mit Ärzten und anderen Experten zusammen. Diese Kooperation mittels des Corona Information Service ermöglicht uns die Bereitstellung entscheidender Informationen für in Griechenland leben Flüchtlinge in ihrer Muttersprache.

Die Ausbreitung von Covid-19 im Nahen und Mittleren Osten hat zudem große Bedeutung für Wadi. Schlechter Zugang zu Informationen, geringes Vertrauen in die Regierungen und unzureichende Gesundheitsversorgung sind ideale Bedingungen für das Virus, sich zu vermehren. Die lokale Bevölkerung wie auch Binnenvertriebene und Flüchtlinge im Iran, Irak und im ganzen Nahen Osten sowie in Nordafrika sind in Gefahr. Die derzeitige Situation im Iran ist eine Warnung vor den verheerenden Folgen des Virus in dem Falle, dass Menschen ihrer Regierung nicht trauen und Falschinformationen grassieren. Das Corona Information Service Network wurde mit Blick auf die Ernsthaftigkeit des pandemischen Potenzials gegründet. Für ein erhöhtes Bewusstsein von dem Virus und die Ergreifung präventiver Maßnahmen ist es essenziell, dass Missinformationen bekämpft und Risikogruppen in ihrer Sprache erreicht werden können durch ein Medium, dem sie trauen. Und natürlich geht es um Informationen zur Frage, was man zu tun hat, wenn man annimmt, infiziert zu sein.

Wir bitten Sie um ihre Unterstützung, damit wir auch während der Krise unsere Arbeit in diesem Sinne fortführen können.