In diesem Beitrag beschreibt unsere Kollegin Skokh Mohammed, welche Folgen der Krieg gegen die Islamische Republik Iran auch für Irakisch-Kurdistan, den Irak und die Projekte von Wadi und unseren Partnern hat.

(Bild: Explosion im Irak, Quelle: Picryl, CC Lizens)
Der Irak und die Region Irakisch-Kurdistan sind stark vom andauernden Krieg betroffen. Unsere Kollegin Shokh Mohammed berichtet, was dies für die Bevölkerung und unsere laufenden Projekte und Programme bedeutet.
Seit Beginn des Konflikts zwischen USA und Iran befinden sich die Menschen im Irak und in der Region Kurdistan wortwörtlich zwischen den Fronten. Jede Nacht hallt der Himmel über Irak und Kurdistan vom Lärm der Drohnen- und Raketenangriffe wider, die in erster Linie auf Militärstützpunkte, US-Konsulate und Streitkräfte in der Region abzielen.
Erbil wurde von 250 Drohnen und Raketen getroffen und Sulaymaniyah war bislang 41 Angriffen ausgesetzt. Etwa 46 Wohnhäuser sind durch herabfallende Trümmerteile von Drohnen in der Region Kurdistan beschädigt wurden. Diese Angriffe haben sechs Peschmerga-Kämpfern das Leben gekostet und Dutzende weitere verletzt. Auch Zivilisten sind betroffen: mehrere Verletzte wurden gemeldet und an Wohnhäusern und Geschäften sind erhebliche Schäden entstanden. Mehrere Drohnen sind sogar in der Nähe unseres Büros abgestürzt, was zum Glück nur Schäden an einigen Gebäuden verursacht hat.
Ein tiefes Gefühl der Angst
Die andauernden Kämpfe haben tiefe Angst und große Unsicherheit in der Bevölkerung ausgelöst. Die Situation hat zu einem fast vollständigen Stillstand der meisten sozialen Aktivitäten der Menschen und auch zu erheblichen Beeinträchtigungen der Arbeit von Hilfsorganisationen geführt. Manche mussten ihre Tätigkeit vollständig einstellen.
Die weitreichenden Folgen sind in verschiedenen Bereichen zu spüren. Der Strom- und Gasmangel hat weitreichende Auswirkungen, große Teile der Region leiden unter langen Stromausfällen. Die Lebensmittelpreise sind in die Höhe geschnellt, und es herrscht eine zunehmende Knappheit an Brot und Backwaren auf dem Markt. Darüber hinaus hat die schleppende Auszahlung der Gehälter von Beamten die finanzielle Situation irakischer Familien verschärft und das Gefühl allgegenwärtiger Unsicherheit noch verstärkt.
Die anhaltende Gasverknappung, häufige Stromausfälle und die starke Abhängigkeit von privaten oder nachbarschaftlichen Generatoren haben die Bevölkerung finanziell erheblich belastet. Viele Familien sehen sich mit hohen Kosten für Mittel der Grundversorgung konfrontiert, die zudem oft unzuverlässig oder gar nicht verfügbar sind. In den Lagern für Flüchtlinge und Binnenvertriebene in Duhok ist die Situation noch dramatischer: Unsere Teams berichten von einem dort besonders starken Anstieg der Preise für lebenswichtige Güter wie Nahrung und Treibstoff. Die Lage in diesen Lagern verschlechtert sich dadurch zunehmend; die ohnehin schon prekären Lebensbedingungen der vertriebenen Familien werden immer unerträglicher.
Anpassung unserer Arbeit vor Ort
(Bilder: Wo immer möglich, werden Projekte weitergefühtrt)
Angesichts der sich ständig verändernden Lage haben wir unsere Arbeit vor Ort angepasst, wobei unsere Teams ihre Entscheidungen auf der Grundlage der örtlichen Gegebenheiten und unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten treffen. Ein Großteil unseres Programms findet nun online statt, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Beratung, Stressbewältigung und psychosozialer Unterstützung liegt. Wir wissen jedoch auch, dass es sehr wichtig ist, ein Gefühl der Normalität in den Communities aufrechtzuerhalten. Daher führen wir bestimmte Aktivitäten, insbesondere solche mit Kindern, in reduziertem Umfang weiter durch, wobei Sicherheit immer an erster Stelle steht. Und auch die Mitarbeiterinnen sollen sich zu jeder Zeit sicher und wohl fühlen.
Derzeit sind keine nennenswerten grenzüberschreitenden Militäraktionen zu beobachten. Es besteht jedoch weiterhin die Sorge, dass es zu Vergeltungsmaßnahmen in den kurdischen Gebieten des Iran kommen könnte, was dann möglicherweise neue Fluchtwellen auslösen würde. Daher beobachten wir gemeinsam mit unseren lokalen Partnern die Lage genau und sind jederzeit bereit, zu reagieren, wenn es erforderlich sein sollte.