Die zwei Modellhäuser, die von Wadi zusammen mit seinen Partnern Nwe und ADWI in Halabja und Kifri konzipiert und eingerichtet wurden, stehen vor der Eröffnung.
Von Dominik Metzger, 14.04.2026
(Bild: Das Modellhaus in Halabja, Alle Bilder: Wadi e. V.)
Während sich die Aufmerksamkeit der Welt derzeit auf die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten richtet, geraten viele der langfristigen Krisen der Region zunehmend aus dem Blickfeld. Krieg und politische Instabilität bestimmen die Schlagzeilen – doch für die Menschen vor Ort bleiben die Herausforderungen des Alltags bestehen. Extreme Hitze, Wasserknappheit und eine unsichere Energieversorgung prägen das Leben vieler Familien im Nordirak schon heute – und werden sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie entscheidend Lösungen sind, die nicht auf politische Stabilität warten, sondern unmittelbar im Alltag wirken. Lösungen, die lokal entstehen, verständlich sind und sich an den realen Bedingungen vor Ort orientieren. Es geht um Ansätze, die nicht von außen vorgegeben werden, sondern aus der Erfahrung der Menschen selbst heraus wachsen – und genau deshalb langfristig Bestand haben können.
Teil einer größeren Umweltkampagne
Zu diesen Lösungen gehören die beiden vom BMZ mitfinanzierten Modellhäuser in Halabja und Kifri. Sie sind Teil einer größeren Kampagne, zu der auch drei Recyclingzentren gehören. Gemeinsam verfolgen diese Projekte das Ziel, konkrete Antworten auf die drängenden Fragen von Ressourcenknappheit, Klimaanpassung und nachhaltigem Umgang mit Materialien zu entwickeln. Es entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk von Orten, an denen nicht nur gebaut und produziert wird, sondern vor allem gelernt, ausprobiert und Wissen weitergegeben wird.
Die Modellhäuser wurden als Demonstrationsgebäude für klimaangepasstes Bauen konzipiert. Doch längst sind sie mehr als das. Sie sind Orte, an denen sichtbar wird, wie viel mit einfachen Mitteln erreicht werden kann – wenn Wissen zugänglich gemacht wird und Menschen beginnen, Lösungen selbst in die Hand zu nehmen. Es geht nicht um technologische Perfektion, sondern um durchdachte, alltagstaugliche Ansätze: Häuser, die auch bei großer Hitze bewohnbar bleiben, die mit Wasser sorgsam umgehen und die weniger abhängig von einer oft unzuverlässigen Energieversorgung sind.
In Halabja, dem ersten der beiden Standorte, haben sich viele dieser Ansätze inzwischen im Alltag bewährt. Über die vergangenen Monate hinweg ist das Haus zu einem Ort geworden, an dem sich zeigt, wie stark sich Lebensqualität durch gezielte, aber einfache Maßnahmen verbessern lässt. Die Rückmeldungen aus der Nachbarschaft und von Besucherinnen und Besuchern machen deutlich, dass die Ideen nicht nur verstanden, sondern auch weitergedacht werden. Genau darin liegt die eigentliche Wirkung: nicht im einzelnen Gebäude, sondern in dem Wissen, das von dort ausgeht. Diese Erfahrungen sind direkt in das zweite Modellhaus in Kifri eingeflossen. Dort konnte von Beginn an auf dem aufgebaut werden, was in Halabja gelernt wurde. Das Konzept wurde weiterentwickelt, angepasst und an einigen Stellen verbessert. So entsteht kein statisches Projekt, sondern ein dynamischer Prozess, der sich kontinuierlich weiterentwickelt – getragen von den Menschen, die vor Ort daran arbeiten.
Kurz vor der Eröffnung
Inzwischen sind beide Häuser baulich vollständig abgeschlossen. Die Installationen funktionieren, die Konzepte sind erprobt, und die Häuser sind bereit, ihre eigentliche Rolle einzunehmen: als offene Lernorte für die Community. Ergänzend wurden erklärende Poster angebracht, die Besucherinnen und Besuchern verständlich machen, wie die einzelnen Lösungen funktionieren und wie sie sich im eigenen Zuhause umsetzen lassen. Die Häuser laden dazu ein, Fragen zu stellen, Dinge auszuprobieren und eigene Ideen zu entwickeln.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Lage in der Region auch ihre direkten Auswirkungen auf das Projekt. Die geplanten Einweihungsveranstaltungen in Halabja und Kifri mussten aufgrund der angespannten Sicherheitslage verschoben werden. Was als gemeinschaftliche Eröffnung mit der lokalen Bevölkerung gedacht war, braucht unter den aktuellen Umständen mehr Zeit und Geduld. Umso größer ist die Vorfreude auf den Moment, in dem die Türen offiziell geöffnet werden können. Wenn Schulklassen durch die Räume gehen, Nachbarschaften zusammenkommen und ein Austausch darüber entsteht, wie sich diese Ansätze weitertragen lassen, werden die Häuser ihr volles Potenzial entfalten.

Der Batteriespeicher für die Solaranlage
Dass sowohl die Modellhäuser als auch die Recyclingzentren von Frauen geleitet werden, ist dabei von besonderer Bedeutung. In einer Region, in der Frauen häufig mit strukturellen Einschränkungen konfrontiert sind, übernehmen sie hier Verantwortung für konkrete Lösungen und gestalten aktiv die Zukunft ihrer Gemeinschaften mit. Ihre Arbeit steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in vielen Teilen der Region sichtbar wird: Veränderung entsteht zunehmend von unten – pragmatisch, gemeinschaftlich und nah an den Bedürfnissen der Menschen.
In einer Zeit, in der große politische Lösungen oft fern erscheinen und Unsicherheit den Alltag prägt, machen Projekte wie die Modellhäuser in Halabja und Kifri deutlich, dass Wandel dennoch möglich ist. Sie zeigen, dass Resilienz nicht abstrakt ist, sondern ganz konkret beginnt – bei einem Haus, das Schutz vor Hitze bietet, bei einem Ort, an dem Wissen geteilt wird, und bei Menschen, die Verantwortung übernehmen.
#KeepKurdistanGreen
Dieses Projekt wird unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Privatspenden.

