Anfang dieses Jahres hat Wadi wieder damit begonnen, Alphabetisierungskurse für Frauen in ländlichen Gebieten zu unterstützen. Damit knüpfen wir an ein Programm an, das wir bereits in den 1990er Jahren erfolgreich in Irakischen Kurdistan durchgeführt haben.
Von Shatoo Kamaran, 06.04.2026

(Bild: Eröffnung einer Alphabetisierungsklasse, Quelle: Galla Organisation)
Im Januar 2026 entstand ein neues Projekt, um Analphabetismus zu beseitigen und damit das Leben von Menschen zu bereichern, denen lange Zeit eines ihrer Grundrechte vorenthalten wurde: das Recht zu lesen.
Im Mai 2025 hat eine unserer Mitarbeiterinnen bei Wadi mit Hemn, dem Gründer der Hawary Galla Organization, über deren aktuelle Arbeit in der Region gesprochen. Dabei wurde vor allem ein Problem deutlich: in Goptapa gibt es eine hohe Analphabetenrate. Das hat uns dazu bewegt, aktiv zu werden.
Im April 2026 startete Hawary Galla mit Unterstützung von Wadi eine neue Initiative zur Bekämpfung von Analphabetismus und zur Schaffung von Lernmöglichkeiten für Frauen und Kinder in den Dörfern Askar und Tawakal im Unterbezirk Akhjalar.
Fast ein Jahr nach diesem Interview erreichen uns nun Erfolgsgeschichten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Alphabetisierungsprogramms.
Nask Omar Hama Saleh ist eine der ältesten Teilnehmerinnen des Alphabetisierungsprogramms; die meisten ihrer Familienangehörigen kamen während der Anfal-Kampagne ums Leben. Sie blickt nun optimistisch auf den Wendepunkt, den das Lernen in ihrem Leben bewirkt hat.
Sie dankte den Mitarbeitern der Organisation Hawary Galla und betonte, wie wichtig es sei, solche Kurse weiter anzubieten, insbesondere für Frauen auf dem Land, die aufgrund der Entfernung und anderer Umstände vom Bildungsangebot ausgeschlossen sind.
„Ich hoffe, dass dieser Kurs weiter besteht, und ich hoffe, dass sie uns nicht aufgeben, bis wir unsere Ziele erreicht und unsere Zertifikate erhalten haben“, sagte Nask Omar.
Ein lebenslanger Traum
Das Alphabetisierungsprogramm wurde mit großer Begeisterung und Herzlichkeit aufgenommen. Frauen aus allen umliegenden Dörfern kamen, um sich anzumelden. Die Klassen waren voll mit Frauen und Kindern jeden Alters, deren lebenslanger Traum es war, lesen zu lernen.
„Bildung kennt kein Alter“, sagte Sundus Azad Saeed, 48 Jahre alt. Sie ist eine der aktiven Teilnehmerinnen, die ihre Ausbildung im Rahmen des Alphabetisierungsprogramms im Dorf Tawakal wieder aufgenommen hat.

„Diese Schule und das Umfeld, das uns geboten wird, sind ein großer Ansporn, trotz meines Alters weiterzulernen“, sagt Sundus.
Sie drückte ihre Dankbarkeit für diese von Wadi und Hawary Gala gebotene Gelegenheit aus und ergänzte: „Dieses Projekt hatte einen sehr positiven Einfluss auf unser Leben, und wir haben sehr davon profitiert.“
Einer der wesentlichen Vorteile dieses Kurses war seine Nähe und Erreichbarkeit für die Frauen des Dorfes.
„Wir sind Dorfbewohnerinnen und hatten zuvor keinen Zugang zu solchen Möglichkeiten. Die Stadt ist weit weg und teuer, aber jetzt lernen wir hier in unserem eigenen Dorf bei unserer eigenen Lehrerin vor Ort!“, sagt Rezan Mohammed Saeed Fatah, eine 44-jährige Frau, die nun am Kurs zur Beseitigung des Analphabetismus teilgenommen hat, und berichtet voller Begeisterung von ihren Erfahrungen.
Es geht auch im Rechte
„Ich fordere alle Menschen auf, zu uns aufzuschauen und zu kommen, um zu lernen. Diese Organisation sollte weiterbestehen, damit Menschen wie wir, denen Bildung vorenthalten wurde, etwas Neues lernen und vorankommen können“, sagt Rezan mit einer Stimme mit Zuversicht und Freude.
Für Rezan und ihre Freunde geht es bei diesem Kurs nicht nur darum, das Alphabet zu lernen, sondern auch darum, Rechte zu erlangen, die ihnen jahrelang verwehrt wurden. Sie merkt an, dass sie inzwischen erkennen, wie viele Vorteile ihnen das Lesen bringt. Sie sagt, sie spüren die Veränderung in ihrem Alltag.
Diese Geschichten zeigen, dass Alter niemals ein Hindernis für Lernen ist und dass die Möglichkeit zum Lernen, insbesondere in abgelegenen Gebieten, stets mit Begeisterung und hoffnungsvollen Blicken aufgenommen wird. Sie kann das Leben eines Menschen für immer verändern.
Der Kampf gegen Analphabetismus ist für Wadi nichts Neues. Bereits in den Jahren 1993 bis 1998 führte Wadi in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, UNICEF und lokalen Frauenorganisationen eine Alphabetisierungskampagne in den Provinzen Sulaymaniyah und Kirkuk durch. Sie umfasste Städte, Dörfer und Bezirke. Dieser Versuch war eines der erfolgreichen Projekte von Wadi, das den Grundstein für die Bildungsarbeit von Wadi legte.
Nun, im Jahr 2026, setzt Wadi seine Aktivitäten gegen den Analphabetismus weiter fort.
Der Bedarf für weitere Klassen ist groß und sie kosten jeweils nicht viel, aber ohne finanzielle Unterstützung wiederum sind sie nicht möglich. Da wir hierfür momentan keine institutionelle Finanzierung haben, sind wir auf Privatspenden angewiesen, also auch auf Ihre Hilfe.