Gezielte Unterstützung der Alphabetisierung von Frauen

Krieg und Vertreibung haben die Lebenswege vieler Menschen in Irakisch-Kurdistan mit Brüchen durchzogen. Die Zwangsumsiedlung in sogenannte „Collective Towns“ durch die irakische Armee Ende der achtziger Jahre oder das jahrelange Leben als Flüchtlinge im Iran haben besonders bei Frauen dazu geführt, dass sie ihren Schulbesuch abbrechen mussten, oder erst gar nicht zur Schule gehen konnten. Aber die Voraussetzung für einen Demokratisierungsprozess ist die Möglichkeit der Partizipation am politischen Leben. Dazu gehört auch das Anrecht auf Bildung. Und das fängt mit Lesen und Schreiben an.

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Die Förderung von Alphabetisierungskursen für Frauen und Mädchen in Irakisch-Kurdistan hat bei WADI eine lange Tradition. Die ersten solcher Kurse wurden zusammen mit einer kurdischen Frauenorganisation bereits 1993 eingerichtet. WADI hat sich bereits 1995 dafür eingesetzt, dass solche Kurse offiziell anerkannt werden. Mittlerweile führen die Alphabetisierungskurse zu regulären staatlichen Schulabschlüssen. Auch andere Träger, wie etwa kurdische Parteien und offizielle Stellen, engagieren sich inzwischen auf diesem Gebiet. Die Schulkurse im Frauenzentrum von Halabja erfreuen sich dabei wegen ihrer Unabhängigkeit von solchen Strukturen einer besonderen Popularität. Die Kurse, die in den Räumen des Centers nachmittags zwischen 14 und 15 Uhr angeboten werden, bestehen aus sechs Klassenstufen von jeweils sechs Monaten. Unterrichtet wird das reguläre Schulprogramm, zu dem zusätzlich alters- und geschlechtsspezifisches Wissen vermittelt wird.

Dabei ist angesichts der differierenden Altersunterschiede der Teilnehmerinnen nicht nur eine Differenzierung nach Leistungsstand, sondern auch nach Alter vorgenommen worden. Der Stolz der Schule ist die Klasse mit den ältesten „Schülerinnen“, im fünften Lebensjahrzehnt. Intern wird sie die Schmetterlingsklasse genannt. Es gibt auch eine Teilnehmerin, wie die Rektorin weiß, die erst nach dem Tod ihres Mannes als Witwe die Möglichkeit ergreifen konnte, zur Schule zu gehen.

Beim Blick in eine der Klassen stellt der Besucher die Frage an eine Klasse junger Frauen, was denn für sie einfacher sei – arabisch oder englisch, die beide als gleichberechtigte Fremdsprachen gelehrt werden. Es ist das Arabische, da sind sich die jungen Kurdinnen sicher. Aber auf Englisch möchte auch keine verzichten.