Viersprachige Berichterstattung aus Iraks umstrittenen Gebieten: Kirkuk Now

Seit Beginn des Jahres 2017 kooperiert Wadi eng mit dem Nachrichtenportal „Kirkuk Now“, dessen Redaktion sich auch in den Räumen des Büros von Wadi in Suleymaniah befindet. Ziel von Kirkuk Now ist vor allem die Förderung einer unabhängigen und demokratischen Öffentlichkeit.

Diese Kooperation ist Teil unserer Unterstützung verschiedener Medienprojekte, die sich dem Konzept von Bürgerjournalismus verpflichtet fühlen, so arbeitet Wadi auch mit verschiedenen Frauen- und Jugendradiostationen wie etwa dem Radio Dangue Nwe in Halabja zusammen.

 

Unabhängige Nachrichten aus den „disputed territories“ im Nordirak

Im Nordirak existieren verschiedene so genannte „disputed territories“, also umstrittene Gebiete, deren legaler Status seit 2003 ungeklärt ist. Sowohl die kurdische Regionalregierung als auch die Regierung in Bagdad beanspruchen die Kontrolle über Städte wie Kirkuk, Khanaqin oder Mosul. Oft sind dies auch Gebiete, in denen es in letzter Zeit zu schweren Auseinandersetzungen kam und die teilweise jahrelang vom Islamischen Staat (IS) kontrolliert wurden oder werden. In diesen Teilen des Nordirak leben Kurden, Araber, Eziden, Christen und Kakai und es kommt immer wieder zu ethnischen und religiösen Spannungen. Viele Menschen sind in den letzten Jahren vertrieben worden und leben in Flüchtlingslagern oder Notunterkünften. Laut irakischer Verfassung sollen die Bewohner dieser Gebiete die Chance haben, in Referenden selbst über ihre Zukunft abzustimmen. Solche Referenden sind allerdings nie abgehalten worden.

Die Möglichkeit, sich unabhängig und zuverlässig informieren zu können, ist überall auf der Welt die Grundlage für den Aufbau demokratischer Strukturen.

Die Medienplattform Kirkuk Now wurde in Kirkuk gegründet und verfolgt den Anspruch, den Menschen in der Region unabhängige Nachrichten zur Verfügung zu stellen, um damit ihren  Beitrag zur Entwicklung dieser Region zu leisten.

Im Folgenden berichtet Chefredakteur Salam Omer von der Arbeit und den Zielen bei KirkukNow:

KirkukNow – Stärker denn je

Ich erinnere mich oft an eine Nachricht, die uns von einem Leser erreichte, in der er schlicht fragte: “Wie macht ihr das?” Mit „das“ meinte er: In einer politisch und ökonomisch so instabilen und unsicheren Atmosphäre wie der des Iraks, samt seiner “umstrittenen Territorien”, journalistisch so professionell und unvoreingenommen zu arbeiten. Wenn ich eine Sache sicher weiß, dann dass dort, wo wir arbeiten nichts beständig ist – nichts, außer die Hartnäckigkeit, mit der wir versuchen unserer Leserschaft ein akkurates Abbild der tagtäglichen Geschehnisse zu zeichnen.

 KirkukNow veröffentlichte einen Untersuchungsbericht über hunderte Menschen, die vor dem Islamischen Staat (IS) aus Hawija geflohen sind, nur um anschließend an den Grenzen von Kirkuk abgewiesen zu werden.

Auf unserem Weg dahin, wo wir jetzt sind, mussten wir viele Herausforderungen meistern, doch mit Hilfe unserer Partner schafften wir es unsere Arbeit Schritt für Schritt zu verbessern. Schon bald wurde KirkukNow von unabhängigen Beobachtern als professioneller Medienkanal anerkannt und mit journalistischen Preisen ausgezeichnet, vernetzte sich und gewann dadurch noch mehr Partner. Aber mehr als alles andere verzeichneten wir stetig mehr Leserinnen und Leser – unser Einfluss wuchs.

Wachsender Einfluss

Die größte Herausforderung, der wir tagtäglich entgegensehen, ist es einerseits unseren Grundsätzen treu zu bleiben, während wir andererseits versuchen ein größeres Publikum zu erreichen. Wir haben es bereits geschafft, dass unsere Arbeit sowohl Einfluss auf das Leben von einzelnen Menschen als auch auf die Einstellungen von Amtsträgern genommen hat: Unsere Berichterstattung blieb und bleibt also nicht länger unbeachtet.

Dank unsere Hauptpartner FPU und Wadi, die KirkukNow dabei unterstützt haben, die Arbeit fortwährend zu verbessern, waren wir schnell in der Lage Partnerschaften mit anderen NGOs und Medienorganisationen einzugehen.

Am 11. April 2017 veröffentlichte KirkukNow einen Untersuchungsbericht über hunderte Menschen, die vor dem Islamischen Staat (IS) in Hawija geflohen sind, nur um anschließend an den Grenzen von Kirkuk abgewiesen zu werden. Viele von ihnen schwebten in Lebensgefahr und ein Zeuge berichtete KirkukNow, dass “ein Kind [unter ihnen] verhungert ist”. Dies wurde zunächst von offiziellen Stellen dementiert. Nachdem sich jedoch nach der Veröffentlichung unseres Berichtes Menschenrechtsorganisationen eingeschaltet hatten, nahmen sich schließlich auch die Beamten in Bagdad der Sache an: Die Stadt nahm die Geflüchteten aus Hawija auf. So konnte unser Bericht erheblich dazu beitragen das Leben dieser Menschen zu schützen und zu verbessern.

Am 8. Mai 2018 war KirkuNow als Partner von Free Press United (FPU) Teil der Kampagne “Men4Women” (z. dt. Männer für Frauen), welche in insgesamt elf Ländern in die Tat umgesetzt wurde. Ziel war es, ein Bewusstsein für die Rechte von Frauen in den jeweiligen Gesellschaften zu schaffen. Unsere Kampagne verbreitete sich in Windeseile über die sozialen Medien, viele Organisationen sowie Einzelpersonen schlossen sich uns an, zahlreiche Männer schickten uns Fotos, oder posteten diese selber auf ihren Profilen im Internet, um ihre Unterstützung für die Kampagne und Idee dahinter zu zeigen.

Weitere Partnerschaften

Dank unsere Hauptpartner Free Press United (FPU) und Wadi, die KirkukNow dabei unterstützt haben, die Arbeit fortwährend zu verbessern, waren wir schnell in der Lage Partnerschaften mit anderen NGOs und Medienorganisationen einzugehen. Unser starkes Netzwerk unterstützte unsere Arbeit und damit den unabhängigen Journalismus im Irak, besonders in den „umstrittenen Territorien“, von dem unsere Leserschaft fortan immer mehr profitierte.

Wir arbeiteten mit unserem Partner Hivos außerdem im Rahmen eines Projektes mit dem Titel “Giving Voice to the IDPs” (z. dt. “Den Binnenflüchtlingen eine Stimme geben”) eng zusammen, um die Binnenflüchtlinge von der Wichtigkeit politischer Partizipation zu überzeugen, vor allem während der Wahlperioden.

Zuletzt bleibt unsere Partnerschaft mit der Deutschen Welle zu erwähnen, die einen großen Teil dazu beiträgt, unsere Leserschaft zu erweitern und mehr Menschen zu erreichen. Ihre Erfahrungen helfen uns dabei, unsere Leser und Leserinnen in der jeweiligen Muttersprache zu erreichen – beispielsweise Arabisch, Kurdisch oder Turkmenisch.

KirkukNow: Preisgekrönt

Am Anfang eines unabhängigen Berichtes über KirkukNow, welcher von unserem Hauptpartner FPU in Auftrag gegeben wurde, heißt es: “Die Ergebnisse dieses Berichtes zeigen die starke Bindung der Website an die Grundsätze des Journalismus sowie an dessen Leitlinien – vor allem Neutralität und Objektivität – auf.“ Laut besagtem Bericht ist die Berichterstattung von KirkukNow frei von Voreingenommenheit oder Parteinahme für eine Seite zum Leidwesen einer anderen. Wir erhalten nach wie vor positives Feedback sowohl von unseren Leserinnen und Lesern als auch von anderen Journalistinnen und Journalisten. Das ehrt uns sehr. Weiterhin fühlen wir uns eng verbunden mit den Leitlinien unserer Website.

Shorsh Khalid KirkukNow wird mit dem „Martyr of Pen Soran Mama Hama“-Preis für Freie Presse ausgezeichnet

Eine weitere Anerkennung unserer Professionalität waren der erste und dritte Platz, den zwei Untersuchungsberichte über die Arbeit von KirkukNow bei einem Wettbewerb erreichten, der 2017 die besten Berichterstattungen über Menschenrechtsverletzungen in der Region Kurdistan sowie in weiteren Teilen Nordiraks kürte. 18 renommierte Medieninstitutionen aus Fernsehen, Print und Internet wohnten dem Event bei.

In Zukunft bemühen wir uns weiterhin, so viele Leserinnen und Leser wie möglich zu erreichen – vor allem in den “umstrittenen Territorien”.

Am 21. Juli 2018 gewann unser Chefredakteur Shorsh Khalid den „Soran Mama Hama“-Preis für die Freiheit des Journalismus. Der Preis wurde in einer öffentlichen Zeremonie verliehen und Khalid war eine von drei Personen, die dieses Jahr geehrt wurden. Er übernimmt den Großteil der Organisation und des Tagesgeschäfts in der Nachrichtenzentrale von KirkukNow.

Was kommt als nächstes?

Wir sind voller Hoffnung. Wir besitzen viele Möglichkeiten, unsere Arbeit noch weiter auszubauen, auch wenn wir uns dabei der Hindernisse bewusst sind, die uns noch bevorstehen. Zunächst einmal wollen wir unsere Website erneuern und damit unseren Internetauftritt verbessern. In Zuge dessen soll auch das öffentliche Selbstverständnis unseres Kanals neu formuliert werden. In Zukunft bemühen wir uns weiterhin, so viele Leserinnen und Leser wie möglich zu erreichen – vor allem in den “umstrittenen Territorien”.

Wir wollen unsere Arbeit voranbringen, während wir uns gleichzeitig auf unser Motto berufen: “Von Menschen für Menschen”.

Salam Omer
Chefredakteur KirkukNow