Die Afrin-Schule: Wo syrische Flüchtlingskinder wieder lernen können

Bericht von „Ein Herz für Kinder“, April 2016

Hunderttausende syrischer Flüchtlingsinder gehen seit Jahren nicht mehr in die Schule. UNICEF spricht längst von einer verlorenen Generation. Mehr als 250 000 Menschen sind inzwischen aus Syrien sowie Irakisch-Kurdistan geflohen, leben unter oft katastrophalen Bedingungen in Lagern oder Notunterkünften.

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So auch in Bainjan, einem kleinen Ort in der Nähe von Suleimaniya, der früher, zu Zeiten Saddam Husseins, eine so genannte collective town war, eine Sammelstadt, in der Kurden angesiedelt wurden, deren Dörfer die irakische Armee zuvor zerstört hatte.

Die syrischen Flüchtlinge in Bainjan brauchen Vieles. Von Anfang an wollten sie aber vor allem Eines: Eine Schule für ihre Kinder.

„Bildung bedeutet, eine Zukunft zu haben! Ohne Schulen wird in Syrien eine verlorene Generation heranwachsen. Sie brauchen Bildung, um einen Beruf ergreifen zu können, der ihnen Freude macht. Und sie brauchen Bildung, um die komplexe Welt um sie herum zu verstehen, auch politisch. Nur so können wir uns eine freie Zukunft in einem freien Land aufbauen.“

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Deshalb wandten sie sich Anfang 2015 sowohl an die kurdische Regionalregierung als auch an unterschiedliche Hilfsorganisationen mit der Bitte um Unterstützung. 18 Lehrerinnen und Lehrer aus Syrien waren ohnehin unter den Flüchtlingen, und sie alle waren bereit, ohne Bezahlung zu unterrichten. Was gebraucht wurde, war ein Gebäude und Hilfe bei Einrichtung und Unterhalt. Die Regierung und einige Organisationen regierten positiv, eine alte Schule wurde renoviert und teilweise eingerichtet. Das war die Geburtsstunde der Afrin-Schule, der ersten quasi selbstverwalteten Schule von und durch syrische Flüchtlinge. Nur der Schulleiter stammt aus Irakisch-Kurdistan, alle anderen Angestellten sind Syrerinnen und Syrer.

Eines der Mädchen, das besonders viel Grausames erlebt hat, ist Aaya. Die 13-Jährige lebte mit ihrer Familie in Damaskus und musste vor den ständigen Bombenangriffen der Assad-Luftwaffe fliehen. Ihre Schule mag sie gern, am liebsten den Englisch-Unterricht. Wenn sie groß ist, will sie Ärztin werden, „um den Menschen zu helfen“, sagt sie. Ihr größter Traum? „Dass der Krieg in Syrien endlich aufhört und wir zurück nach Hause können.“

Aber mit den laufenden Kosten haperte es, wie so oft.

Die Flüchtlinge wandten sich auch an Wadi und stießen auf offene Ohren. Vor allem unsere Buchhalterin, die selbst aus Quamishli in Nordostsyrien stammt, machte die Afrin-Schule zu ihrem ganz persönlichen Anliegen. Anfangs unterstützte Wadi laufende Kosten noch mit Privatspenden: Schulbücher wurden gekauft, Kerosin für die Heizer, Stifte und Hefte.

Aber es mangelte an allem: Schuluniformen fehlten, ebenso Aircooler für den Sommer, der Transport für die Schüler war ein Problem, ein Spielplatz war dringend erforderlich, und Vieles mehr.

Dann sprang die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ ein:

„An der Schule wird von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet. Derzeit besuchen insgesamt 120 Kinder den Unterricht, der vornehmlich in der Muttersprache der Kinder abgehalten wird. Neben Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport, Musik und Malen wird auch ein Theaterworkshop angeboten, der es den Kindern ermöglicht, sich auszudrücken und traumatische Erfahrungen spielerisch zu verarbeiten.

Um den Betrieb der Schule und alle damit verbundenen Angebote aufrecht erhalten zu können, erklärte sich auch „Ein Herz für Kinder“ bereit, die Einrichtung zu unterstützen. So konnten neue Schuluniformen und Schuhe für die Kinder gekauft werden. Außerdem konnten von der Förderung verschiedene Spielsachen und Spielplatzgeräte, eine Klimaanlage, Schulmaterialien wie Bücher, Hefte und Stifte sowie Material für das Schultheater erworben werden.“

Allerdings verschlechterte sich die allgemeine Lage der Flüchtlinge in Irakisch-Kurdistan immer weiter. Es fehlt inzwischen an Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung, warmer Kleidung – eigentlich an Allem. Seit Anfang dieses Jahres klagten Lehrer der Afrin-Schule, dass die Schüler/innen unter Hunger und den Folgen von Mangelernährung litten. Auch sie selbst, die ja fast ausschließlich und seit Monaten ehrenamtlich arbeiten, könnten sich nicht einmal mehr mit Grundnahrungsmitteln versorgen.

Und erneut half „Ein Herz für Kinder“.

Seit Anfang März kann Wadi deshalb die Lehrer und die inzwischen 190 Schülerinnen und Schüler mit Essen versorgen. Diese Nothilfe ist ganz essenziell wichtig, denn sie trägt zur Minimalversorgung bei und ermutigt die Menschen, weiter um ihre Existenz in der Region zu kämpfen und nicht ihr Heil in der Flucht nach Europa zu suchen.

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