Workshops für Flüchtlingshelfer in Deutschland

Mit der Ankunft von über einer Million Flüchtlingen in Deutschland entsteht nicht nur organisatorisches Chaos, sondern auch Ängste, Hoffnungen und Erwartungen auf beiden Seiten. Um dem zu begegnen ist eine bessere Kenntnis der Situation und Kultur in den Herkunftsländern eine gute Voraussetzung. WADI hat daher ein Workshop-Konzept entwickelt, das unsere 25-jährige Erfahrung in Irak und Syrien für die konkrete Flüchtlingsarbeit in Deutschland nutzbar macht.

Die WADI-Mitarbeiter Hannah Wettig und Dr. Oliver M. Piecha führen seit Dezember 2015 den Tagesworkshop „Verstehen als Voraussetzung für Verständnis“ für die Arbeit mit Flüchtlingen durch, sowie IKK-Workshops für gemischte Gruppen aus Flüchtlingen und Deutschen. Bisher fanden Workshops in Celle, Göttingen, Lüneburg, Rendsburg, Marburg und Heppenheim statt.

Workshop in Celle

Die Cellesche Zeitung berichtete: „Mit der persönlichen Hygiene (nimmt) man es in den meisten Herkunftskulturen der Flüchtlinge genauer als hier. Da werden selbstverständlich vor dem Essen die Hände gewaschen. „Da wirkt der Europäer wie ein Barbar“, so Piecha. Was den Umgang mit Müll angehe, seien Menschen aus den Ländern des Nahen Ostens aber tatsächlich oft nachlässiger. Warum? „Draußen ist Regierung.

Sie fokussieren auf den politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund in zentralen Fluchtländern, um das individuelle Verhalten von Flüchtlingen in einen Kontext einzuordnen: Wie sieht es aus mit Familienstruktur, Gleichberechtigung, Gesellschaftsorganisation und politischer Sozialisation in Staaten, die so gut wie keine bürgerlichen Partizipationsmöglichkeiten  bieten, aber dafür umso mehr offiziell propagierte Verschwörungstheorien?

Speziell Unsicherheiten in Zusammenhang mit „Religion“ – dem Islam – „Kultur“ oder Tradition werden besprochen: Darf ich Kritik an kulturellen oder religiösen Verhaltensweisen üben, wie unterscheidet sich das überhaupt, wo überschreite ich möglicherweise Grenzen von anderen und wo setze ich meine eigenen Grenzen? Und wo beginnen eigene Projektionen?

Über die Erfahrungen mit Vorurteilen und Projektionen in den Workshops hat Hannah Wettig einen Bericht geschrieben: „Über Vorurteile muss man reden„.

Gut an kam auch ein Vortrag in Ingelheim, darüber berichtete im Februar die Allgemeine Zeitung.

Gleichzeitig wurde ein Konzept zur politischen Kompetenz, Aktivierung und Selbstorganisation von Flüchtlingen in Kooperation mit der VHS Celle entwickelt. Ziel des Projekts „Vom Flüchtling zum Bürger“ ist es, demokratische Werte und Partizipationsmöglichkeiten in der deutschen Demokratie zu vermitteln und anwenden zu können. Demokratie kann man nur lernen durch eigenes Erfahren und Einüben. Darum wird den Flüchtlingen in Workshops vermittelt, wie sie eigene Interessen mittels demokratischer Verfahrensweisen und mithilfe der Möglichkeiten des deutschen Systems verfolgen können. Sie erarbeiten daraufhin selber, wo und wie sie Demokratie konkret anwenden können, z.B. durch Selbstorganisation in einer Unterkunft, die Gründung einer Initiative oder die Wahl eines Sprechers/ einer Sprecherin in den Integrationsklassen. Das Projekt wird unterstützt von der Niedersächsischen Landeregierung.

Mehr darüber auf der Projekt-Website.

Basis dieses Konzepts ist das gemeinsame Projekt mit dem Europäischen Zentrum für Kurdische Studien „Vom Untertan zum Bürger“ mit Unterstützung des Instituts für Auslandsbeziehungen, Oxfam und Hivos.

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