Juristische und soziale Aufklärung in Gefängnissen

Seit Mitte der Neunziger arbeitet WADI mit daran, die Situation Gefangener in Irakisch-Kurdistan zu verbessern. In diesem Zusammenhang haben wir Workshops, Bildungsangebote und die Entstehung von Bibliotheken in Gefängnissen sowie eine Zeitung von und für Gefängnisinsassen, die auch jährlich als Buch erscheint, unterstützt. So wie die Zustände des Rechtssystems im Allgemeinen, sind auch die Zustände in den Gefängnissen insgesamt weiterhin verächtlich, doch es gibt Spuren von Verbesserung – vor allem auch für Frauen.

In diesem Jahr nimmt WADI einige frühere Aktivitäten verstärkt wieder auf, um den Veränderungsprozess zu beschleunigen. Seit März organisieren wir Seminare in der Direktion des Frauen- und Kindergefängnisses in Suleymaniah, die sich sowohl an inhaftierte Frauen als auch an das Personal richten. Der Fokus liegt dabei auf Rechtsaufklärung und sozialer Beratung mit möglichst direktem Bezug auf die Situation der Inhaftieren.

Inhaltlich beschäftigen sich die Seminare unter anderem mit den sozialen und juristischen Aspekten der Gesetze Nr. 8 und 15 der Regierung Irakisch-Kurdistans, die häusliche Gewalt sowie den Status der Familie behandeln. Obwohl einige der als „bahnbrechend“ angedachten Artikel, wie beispielsweise das Verbot von allen denkbaren Arten von Gewalt, Zwangsheirat und Vergewaltigung in der Ehe sowie das eingeschränkte Verbot von Zweitfrauen in der Region, tatsächlich einmalig sind, hat sich für Frauen und Familien seit dem Erlass natürlich noch nichts geändert. Nicht ohne Grund nehmen viele Frauen ihren Nachwuchs in das Gefängnis mit.

Zudem werden in den Seminaren Probleme wie Machtmissbrauch, Folter und Respektlosigkeiten behandelt. Es werden Wege der gewaltfreien Konfliktlösung, des friedlichen Koexistierens und der vernünftigeren Behandlung von Gefangenen diskutiert.

Zu jedem Seminar gehört auch ein praktischer, gemeinschaftlicher Teil, der eine anregende und aufmunternde Wirkung auf die Teilnehmerinnen haben soll. In vielen Fällen sprechen Frauen ihre berechtigten Ängste vor der Rückkehr in die Gesellschaft an. Unsere Sozialarbeiterin versucht, die Teilnehmerinnen auf diese Herausforderungen so gut wie möglich vorzubereiten. Ein ständiges solches Angebot in mehreren Gefängnissen zu etablieren wäre ein wichtiger Schritt. Dass die Betroffenen von ihren Familien und Gemeinschaften nicht mehr aufgenommen oder, abhängig auch von ihren tatsächlichen oder vermeintlichen Verbrechen, sogar bedroht werden, ist nicht unwahrscheinlich.

Bei 42 der insgesamt 84 Personen, die seither an unseren Seminaren partizipieren können, handelt es sich um weibliche Gefangene. 15 der übrigen Teilnehmerinnen arbeiten in der Verwaltung oder Sozialarbeit und 27 gehören zum Wachpersonal.

Die Seminare sind Teil des EU-unterstützten Programms „Access to Justice”, das WADI in Kooperation mit Wola und der Jiyan Foundation initiiert.