Zum zwölften Jahrestag am Völkermord des Islamischen Staats (IS) an den Jesidinnen und Jesiden, der am 03. August 2014 begann, berichtet Wadi-Mitarbeiterin Basma Aldikhi in einem Gespräch mit Isis Eligbali über die aktuelle Lage der Überlebenden.

Unsere Kollegin Basma Aldikhi ist jesidische Aktivistin und arbeitet nunmehr seit 2014 für Wadi e. V. mit Überlebenden des Völkermordes. Sie ist auch Mitautorin verschiedener Berichte über die weiterhin katastrophale Lage in den Camps für Binnenvertriebene im kurdischen Nordirak.
Basma berichtet, dass sich vor allem nach dem Rückzug internationaler Hilfsorganisationen die Lage in den letzten Jahren noch einmal verschlimmert habe und viele Campbewohnerinnen- und bewohner inzwischen über Selbstmord nachdenken würden. Denn auch an eine Rückkehr in das Sinjar Gebirge, das 2014 vom IS erobert wurde, ist für die meisten nicht zu denken. Dort herrscht weiter Unsicherheit und es gibt kaum Infrastruktur oder ökonomische Perspektiven.
Dominierte das Schicksal der Jesiden damals die Weltmedien, so geraten sie nun zunehmend in Vergessenheit, obwohl die Folgen des Völkermordes für sie tägliche Realität bleiben. Von den damals vom IS über 6. 000 verschleppten Mädchen und Frauen, die systematischem sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren, etwa sind bisher gerade einmal 3.500 zurück gekehrt. Von den anderen fehlt weiter jede Spur.
So kommt Basma auch zu dem Schluss, dass sollte sich an der Lage nicht ändern langfristig der IS wohl gesiegt habe, weil dann die jesidische Gemeinschaft zerstört werden würde. Derweil würden inzwischen aus Europa, vor allem aber aus Deutschland, jesidische Flüchtlinge sogar wieder in den Irak und damit in ein Leben in Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit abgeschoben
Sie appelliert deshalb, gerade angesichts der massiven Kürzungen an Hilfe, die Jesiden nicht zu vergessen. Inzwischen müssten sogar Schulen schließen, weil es an Geld und Lehrpersonal mangele. Auch die Gesundheitsversorgung in den Camps sei inzwischen auf ein Minimum beschränkt.
Hier das ganze Gespräch:
Insgesamt also habe sich die Lage in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert und drohe, sollte sich nicht ändern, noch katastrophaler zu werden.
2024 veröffentlichten wir zusammen mit Pro Asyl eine umfassende Analyse über die Lage der Jesiden im Irak und die Folgen, die der Völkermord auf diese Gruppe hatte.
Darin heißt es unter anderem:
„Im Gutachten geht es auch um die Jesid*innen als Gruppe, deren Lebensgrundlagen systematisch – und darum geht es beim Völkermord – zerstört wurden. Das unterscheidet sie von vielen anderen aus dem Nahen Osten, die vor Krieg und Zerstörung fliehen: Der Islamische Staat wollte nicht nur Jesid*innen vernichten, sondern die jesidische Existenz. So wächst mit jeder Abschiebung die Angst, dass nicht nur Einzelne gewaltsam aus ihrer neuen Heimat gerissen und in eine ungewisse Zukunft geschickt werden, sondern dass auch hier die jesidische kollektive Existenz bedroht ist.“