Mali AWA: Ein Umweltzentrum, das Wandel und Nachhaltigkeit verbindet

In Zusammenarbeit mit unseren Partnern von ADWI haben wir in einer der heißesten Regionen in Irakisch-Kurdistan einen besonderen Ort eröffnet: Mali AWA (Haus des Wohlstands), das Umweltbildung und ein Recyclingzentrum umfasst.

Von Shokh Mohammad


(Bild: Ausstellung von Produkten aus Mali AWA, alle Bilder aufgenommen von ADWI)

In der sengenden Hitze Südkurdistans liegt die Kleinstadt Kifri, in der etwa 30.000 bis 35.000 Menschen leben. Kifri ist eine multikulturelle Gemeinschaft aus Kurden, Arabern und Turkmenen, die jedoch mit vielen Schwierigkeiten in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und Versorgung zu kämpfen hat. Daher verlassen viele junge Menschen den Ort und ziehen in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen in das nahegelegene Kalar.

Vor diesem Hintergrund ist es gewiss eine besondere Herausforderung, den jungen Leuten wieder Hoffnung zu geben. Bisher fehlt ihnen das Vertrauen, in ihrer Stadt noch etwas bewirken zu können. Mali AWA zeigt, dass Veränderung im Kleinen beginnen kann – mit einer einfachen Idee, einigen engagierten jungen Menschen und einem Ort, an dem die Menschen sehen können, was möglich ist.

Mali AWA, was auf Kurdisch „Haus des Wohlstands“ bedeutet, wurde 2022 von WADI gegründet und wird seitdem von unserem lokalen Partner ADWI geleitet. Das Zentrum befindet sich in einem ganz normalen Wohnviertel und sieht von außen aus wie jedes andere Haus. Im Inneren hat es sich zu einem praktischen Vorbild für Recycling, Umweltbewusstsein und nachhaltiges Leben entwickelt.

Das Zentrum wird von drei jungen Menschen, zwei Frauen und einem Mann, geleitet, die Plastikmüll sammeln und alte Flaschen in neue Produkte verwandeln. Besucher können den gesamten Recyclingprozess mitverfolgen – von der Sammlung über die Reinigung und Sterilisierung bis hin zum Zerkleinern, Schmelzen und Formen- Das Team stellt aus dem recyceltem Kunststoff Gegenstände wie Körbe, Blumentöpfe und Schmuck her. Auf diese Weise erhalten Materialien, die sonst zu Abfall geworden wären, ein zweites Leben.

Bei Mali AWA geht es jedoch nicht nur um Recycling. Es wurde als vorbildliches „Show-and-Tell“-Haus konzipiert, in dem praktische Umweltlösungen nicht nur erklärt, sondern auch gesehen und erlebt werden können. Das Haus nutzt verschiedene Dämm-Methoden, um die intensive Sommerhitze in Kifri zu bewältigen, erzeugt Strom durch Solarenergie und verfügt über ein begrüntes Dach mit Gras und Pflanzen, die dabei helfen, Wärme zu absorbieren und den Innenraum kühler zu halten.

Das Haus veranschaulicht zudem praktische Möglichkeiten, Wasser zu sparen und wiederzuverwenden. Ein Grauwassersystem wird zur Bewässerung des Gartens genutzt, in dem das Team unter anderem Bio-Gemüse und Kräuter anbaut. An einem Ort, an dem Wasser im Sommer knapp werden kann, bietet das System ein einfaches Beispiel dafür, wie Wasser wiederverwendet und gleichzeitig die lokale Nahrungsmittelproduktion unterstützt werden kann.

(Video: Fernsehbericht über Mali AWA)

Mali AWA stößt bei Anwohnern und Medien auf wachsendes Interesse. Das Team veranstaltet Aufklärungsseminare, Führungen und Gemeinschaftsaktivitäten, bei denen die Menschen die Möglichkeit haben, den Recyclingprozess zu beobachten und sich aus erster Hand über nachhaltige Praktiken zu informieren. Darüber hinaus ist das Team auch außerhalb des Zentrums aktiv und nimmt an lokalen Festen und Gemeinschaftsveranstaltungen teil, um dort seine Produkte zu präsentieren, mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen, Feedback zu sammeln und das Bewusstsein für das Thema zu schärfen.

Durch diese Aktivitäten ist Mali AWA zu mehr als einem Recyclingprojekt geworden. Es schafft einen Raum, in dem Umweltbewusstsein, Kreativität und das Engagement junger Menschen zusammenkommen. Für die jungen Menschen, die das Zentrum leiten, bietet es die Möglichkeit, Fähigkeiten zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und einen direkten Beitrag für ihre Gemeinschaft zu leisten. Für andere ist es ein Ort, den man besuchen und an dem man lernen kann, dass positive Veränderungen auch im kleinen Rahmen möglich sind.

Im Kern geht es bei Mali AWA um Menschen und Möglichkeiten. Es vermittelt jungen Menschen eine andere Botschaft: Sie müssen ihren angestammten Ort nicht verlassen, um etwas zu bewirken. Sie können genau dort, wo sie sind, etwas gestalten, die Initiative ergreifen und einen Beitrag leisten.

Ziel ist es, dass Mali AWA zum neuen „coolen Ort“ für die Jugend von Kifri wird – ein einladender Ort, an dem junge Menschen lernen, andere treffen, mit Ideen experimentieren und einen Beitrag für ihre Gemeinschaft und ihre Umwelt leisten können. Was als kleines Recyclingzentrum begann, legt den Grundstein für etwas viel Größeres: ein wachsendes Gefühl der Hoffnung, Teilhabe und vielfältiger Möglichkeiten in Kifri.

Mali AWA hat eine eigene Facebook-Seite

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.