USA ziehen ohne Ankündigung Luftabwehr aus Irakisch-Kurdistan ab

Offenbar ziehen die USA und andere westliche Länder ihre Luftabwehr aus der irakisch-kurdischen Hauptstadt Erbil ab, ein Schritt, der dort mit großer Sorge verfolgt wird.

Von Thomas von der Osten-Sacken, Jungle World, 03.08.2026

(Bild: Altstadt von Erbil, Quelle: Wadi e. V.)

Zur Erinnerung: In den letzten sechs Monaten sind Ziele in Irakisch-Kurdistan mit mehr als tausend Drohnen und Raketen angegriffen worden. Diese reichten von Stellungen iranisch-kurdischer Oppositionsparteien über Gebäude in den großen Städten bis zu Hotels und militärischen Einrichtungen.

Dabei verfügen die irakisch-kurdischen Armeeeinheiten kaum oder gar nicht über moderne Luftabwehr und waren von amerikanischer oder der anderer Länder der anti-IS Koalition abhängig. Ohne deren Hilfe hätte es noch wesentlich mehr Tote und Verletzte gegeben.

Nun haben die USA völlig überraschend erklärt ihre Luftabwehrsysteme abzuziehen und offenbar auch ihre Truppen vor dem mit der irakischen Regierung vereinbarten Termin Ende September abzuziehen. In Folge steht Irakisch-Kurdistan nun weitgehend schutzlos dar:

The departure of key coalition military assets from the Kurdistan Region raises questions about the future security architecture in northern Iraq and the region’s ability to counter drone and missile threats.

Coalition forces have withdrawn key surveillance and air defense assets from Erbil, signaling a major shift in the U.S.-led military posture in the Kurdistan Region.

The U.S.-led international coalition has begun withdrawing military assets from the Kurdistan Region, marking another significant milestone in the gradual reduction of its military footprint in Iraq. According to an informed source, coalition forces have decided to leave the Kurdistan Region alongside departing U.S. forces, reflecting the broader transition in Washington’s military posture.

Among the most notable developments is the removal of the surveillance balloon that had operated above Erbil International Airport. The balloon served as one of the coalition’s primary early-warning assets, continuously monitoring airspace for suspicious aerial activity, including drones, cruise missiles, and other low-flying threats.

The source indicated that the surveillance balloon was dismantled shortly after U.S. forces relocated their MIM-104 Patriot air defense system from the area, suggesting that both moves were part of a coordinated military redeployment rather than isolated decisions.

Auch in Teheran wird man diese Entwicklung mit Genugtuung verfolgen. Erst jüngst hat das Regime Elitetruppen an die Grenze verlegt, um effizienter gegen iranisch-kurdische Kämpfer und Oppositionelle vorzugehen. Seit Monaten übt es auch enormen Druck auf die Regierung in Erbil aus, die Stützpunkte dieser Oppositionsgruppen zu schließen.

Außerdem wurde der kurdische Nordirak auch immer wieder von den iranisch gestützten irakischen Milizen angegriffen, die in den anderen Teilen des Landes drei agieren können.

Ohne Schutz wird die kurdische Regierung deshalb auch wesentlich leichter unter Druck zu setzen werden. Deshalb verfolgen Menschen in dem Gebiet diese Entwicklungen mit großer Sorge, denn sie haben alle in den vergangenen Jahrzehnten auf den Schutz vor allem seitens der USA gebaut.

Ein Abzug käme in der aktuellen Lage deshalb auch einer Art Kapitulation vor Teheran gleich und wird jedenfalls als solcher in der ganzen Region gesehen.