Umweltschutzprojekte im Nordirak

In Kooperation mit lokalen Behörden hat Wadi Garmyan über eintausend Bäume verteilt. Dies ist nur der Beginn neuer Umweltschutzprojekte in der Region.

Die Umweltsituation in Garmyan ist durch menschlichen Einfluss katastrophal, die Luft ist verschmutzt: Überall liegt Abfall herum und es gibt in der Region wenig bis keine Infrastruktur zur Müllentsorgung.

Das Bewusstsein um die negativen Konsequenzen von Umweltverschmutzung für die menschliche Gesundheit und die Natur ist kaum vorhanden.

Darüber hinaus ist die Region – die in Irakisch-Kurdistan bereits für ihre Hitze bekannt ist (germa ist das kurdische Wort für heiß) – von Wasserknappheit und überdurchschnittlich großen Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Der Grundwasserspiegel sinkt kontinuierlich und außerdem baut der Iran Staudämme, die das Wasser des Dyala-Flusses zurückhalten, der nun wenig und meist verschmutztes Wasser führt.

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Garmyan hat ganz besonders unter den Vernichtungskampagnen der irakischen Regierung in den 80er Jahren, der so genannten Anfal-Kampagne, gelitten. Damals wurden hunderte Dörfer zerstört und die Bevölkerung umgesiedelt. In den 90er Jahren dann holzten die Menschen die wenigen verbliebenen Wälder ab, weil es an anderen Heizmaterialien mangelte.

Deshalb ist es dringend geboten, etwas zu tun. Seit längerer Zeit kooperiert Wadi-Garmyan schon mit dem lokalen Radio Dang und führt Kampagnen durch, die das Umweltbewusstsein stärken sollen. Auch diese Mobilen Teams bieten entsprechende Kurse in Schulen und Kindergärten an.

Dieses Engagement zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus: Neuerdings kooperiert Wadi nun auch mit der Behörde für Wiederaufforstung, um auf unterschiedlichen Wegen diese untragbaren Zustände zu verbessern. In einem ersten Schritt stellte das Amt Wadi 1200 Bäume zur Verfügung, die  Mitte September in verschiedenen Dörfern und Schulen verteilt und gepflanzt wurden. Dabei übernahm jeweils ein Kind aus jedem Dorf eine Art Patenschaft für einen Baum.

„Dorfbewohner aller Altersklassen, Alte, Jugendliche und Kinder, bringen sich voller Freude in die Begrünungs-Aktivitäten ein.“ (Zhino Khalil, WADI Garmyan)

Das Projekt soll der Beginn einer neuen Umweltkampagne sein und stieß nicht nur vor Ort auf große Resonanz. Auch lokale Medien, sowohl Fernsehstationen als auch Zeitungen, berichteten ausführlich.

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Lokale Medien berichteten ausführlich über die Kampagne.

Layla Ahmad, eine Mitarbeiterin von WADI Garmyan erklärte in einem Fernsehinterview:

„Wir haben uns speziell diese Dörfer ausgesucht, weil ihre Bewohner zusätzlich wirtschaftlich sehr schwach sind und es sich nicht eigenständig leisten können, in ihren Gärten oder Gemeinden zu begrünen und Bäume zu pflanzen.“

Im nächsten Jahr wird der dreißigste Jahrestag der Anfal-Kampagne begangen. Gemeinsam mit anderen Organisationen und AktivistInnen in der Region plant Wadi verschiedene Aktivitäten, um an dieses furchtbare Kapitel irakisch-kurdischer Geschichte zu erinnern. Dazu gehört unter anderem die jüngst initiierte Anti-Gewalt Kampagne in Schulen, die eng mit der neuen Initiative zum Schutz der Umwelt zusammenspielt.

Denn Gewalt, so Asi Frud, der seit 2003 für Wadi in Garmyan arbeitet, „richtet sich ja nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Tiere und die Umwelt. Ein neues Bewusstsein für Gewaltfreiheit schließt auch einen anderen Umgang mit der Natur ein.“

Auch in Halabja plant Wadi in Kooperation mit dem lokalen Partner NWE in 2018 verschiedene neue Umweltprojekte. Unter anderem ist geplant, einen Wald mit 5000 Bäumen zu pflanzen – für jedes Opfer des vor dreißig Jahren stattgefundenen Giftgasangriffs auf die Stadt einen.