Neues Projekt: Hydroponische Landwirtschaft für Jesidinnen im Khabarto-Lager

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Jinda werden wir in Khabarto, einem IDP-Lager für Überlebende des Völkermordes durch den IS, ein neuartiges Landwirtschaftsprojekt umsetzen.

Von Dominik Metzger, 04.06.2026

(Im Kharbato Camp, Bild: Wadi e. V.)

Im Khabarto-Lager im Gouvernement Dohuk leben seit 2014 tausende jesidischer Familien — vertrieben nach den Angriffen des IS auf ihre Heimatregion Sindschar. Rückkehr ist für viele keine realistische Option: Die Sicherheitslage in Sindschar bleibt instabil, die Infrastruktur ist zerstört. Die Lager sind längst kein vorübergehender Zustand mehr, und der Alltag dort ist geprägt von eingeschränkter Bewegungsfreiheit, fehlenden Einkommensmöglichkeiten und wenig Perspektive — besonders für Frauen. Über 70 Prozent der jesidischen Frauen in den Lagern des Gouvernements Dohuk sind trotz Arbeitswillens ohne Beschäftigung. Nur 18 Prozent haben Zugang zu Berufsausbildung oder Einkommensunterstützung.

In diesem Jahr setzen wir es nun gemeinsam mit unserer lokalen Partnerin Jinda ein Projekt um um, gefördert vom deutschen Komitee des Weltgebetstagswerks der Frauen (WWDP), das dem gegensteuern soll. Im Zentrum steht eine Anbaumethode, die in dieser Form bislang noch kaum in der Region verbreitet ist: hydroponische Landwirtschaft. Das ist Gemüseanbau ohne Erde, bei dem Nährstoffe über Wasser direkt an die Pflanzenwurzeln geleitet werden. Die Methode braucht wenig Platz, wenig Wasser und keinen Ackerboden. Damit ist sie unter den Bedingungen eines Lagers besonders geeignet.

(Bild: Beispiel für hydroponische Türme, Quelle: privat)

In den ersten Monaten entwickeln wir gemeinsam mit der Landwirtschaftsfakultät der Universität Dohuk Prototypen für hydroponische Türme aus lokal verfügbaren, günstigen Materialien. Was dort funktioniert, entscheidet nicht das Labor, sondern der Alltag der Teilnehmerinnen: Welche Gemüsesorten werden gebraucht? Was passt zu den Bedingungen vor Ort? Danach werden 30 Frauen in zwei Gruppen ausgebildet — in der Handhabung der Systeme, ihrer Wartung und in grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Jede ausgebildete Frau erhält anschließend einen eigenen hydroponischen Turm, mit dem sie zu Hause Gemüse anbaut: für den eigenen Haushalt und für den Verkauf. Handwerker aus dem Lager lernen parallel, wie die Türme gebaut werden, damit die Frauen bei technischen Problemen vor Ort Unterstützung haben.

Über die komplette Projektlaufzeit hinweg finden regelmäßige Aufklärungsseminare im Lager statt — zu nachhaltiger Landwirtschaft, Klimawandel, wirtschaftlicher Eigenständigkeit, Gleichberechtigung und zur Frage, wie Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung für Ernährung und Haushalt tragen können. Für Jugendliche gibt es eigene Einheiten, die unternehmerisches Denken fördern und dazu ermutigen, eigene kleine Initiativen zu entwickeln.

Am Ende des Projekts sollen 30 Frauen eigenständig frisches Gemüse produzieren und damit ein Stück wirtschaftliche Unabhängigkeit gewonnen haben. Die Landwirtschaftsfakultät begleitet das Vorhaben wissenschaftlich und steht auch nach Projektende als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Die Konstruktionspläne für die Türme, das aufgebaute Wissen und das Netzwerk in der Gemeinschaft sollen dafür sorgen, dass das Modell über die Projektlaufzeit hinaus weitergeführt und auf andere Lager übertragen werden kann.

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