Konferenz über FGM im Irak

Wir setzen unsere Bemühungen fort, die #StopFGM Kampagne auf andere Teile des Irak auszudehnen. Im Mai trafen sich Aktivist*innen und NGOs aus dem Süd- und Zentralirak mit kurdischen Kolleg*innen, um sich auszutauschen und gemeinsam über die nächsten Schritte zu beraten.

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Vom 15. bis 17. Mai 2023 richtete Wadi eine Konferenz über Gewalt gegen Frauen und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Suleymaniah aus, zu der mehrere lokale NGOs aus dem Zentral- und Südirak eingeladen waren. Es ging darum, Erfahrungen auszutauschen, bewährte Vorgehensweisen zu diskutieren und gemeinsam zu überlegen, wie man zu einem landesweiten Verbot von FGM gelangen könnte. Denn nur die kurdische Regionalregierung verabschiedete 2011 ein Gesetz, das FGM und andere Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder verbietet. Im Rest des Irak fehlt so ein Gesetz bis heute. Nun, 13 Jahre später, ruft Wadi erneut Parlamentarier, Nichtregierungsorganisationen und die Öffentlichkeit dazu auf, die Verabschiedung eines solchen Gesetzes für den gesamten Irak zu unterstützen.

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Die Konferenz war der Auftakt für eine Diskussion über die Bedeutung eines landesweiten Gesetzes gegen FGM. Die Mitglieder des Wadi-Teams berichteten von ihren Erfahrungen und präsentierten ihre Aufklärungsarbeit über FGM und anderen Formen von Gewalt gegen Frauen wie Zwangsheirat, Frühverheiratung und häuslicher Gewalt. In den ersten Jahren war es sehr schwierig, über FGM zu sprechen, aber es bereitete doch auch den Weg für wirklich tiefe und bedeutungsvolle Gespräche mit Frauen (und Männern) über systemische gesellschaftliche Probleme und wie man sie angehen könnte. Wenn wir eine Mutter davon überzeugen können, ihre kleine Tochter nicht zu verstümmeln, können wir vielleicht auch ihre Eltern davon überzeugen, sie nicht mit 14 Jahren zu verheiraten. Das Gesetz war als „Rückendeckung“ für unsere Seminare und Gespräche mit Frauen und Männern ein sehr wertvolles Instrument, aber nur eines von vielen. Langfristiges Engagement, Aufbau von Vertrauen und geduldige Bildungsarbeit waren unabdingbare Voraussetzungen für den Erfolg.

Warum ist ein Gesetz, das FGM verbietet, so wichtig?

Ein Gesetz gegen FGM ist ein wichtiges Instrument, das Ärzten, Nichtregierungsorganisationen und Sozialarbeitern einen Ansatzpunkt bietet, um Menschen davon zu überzeugen, diese Praxis zu ändern und aufzugeben. Ohne ein Gesetz, das FGM verbietet, kann es äußerst schwierig sein, das Verhalten der Menschen zu ändern. Selbst wenn die FGM-Rate im Süd- und Zentralirak noch nicht bekannt ist, kann es doch sehr hilfreich sein, ein Gesetz zu haben, das die Praxis verbietet, denn so wird niemand dazu verleitet, in diese Landesteile zu reisen und FGM dort zu praktizieren, um der Strafverfolgung zu entgehen. Es wäre natürlich fraglich, ob ein solches Gesetz wirklich in der Praxis umgesetzt würde, aber Schulungen für Polizei, Ärzte, Anwälte, usw. könnten dazu beitragen.

Diese Konferenz war sehr wichtig, um herauszufinden, ob FGM in Zentral- und Südirak existiert, und um entsprechende Umfragen durchzuführen. Erst dann können uns für ein Gesetz engagieren und die Gesellschaft für die Auswirkungen von FGM sensibilisieren.

Awezan Nuri von der Pana Organization in Kirkuk

Die NGOs, die an der Konferenz teilnahmen, kamen aus Bagdad, Maisan, Kirkuk und Basra. Sie berichteten über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen zu Themen wie frühe Kinderheirat, Gewalt gegen Frauen und Kinder, fehlende wirtschaftliche Möglichkeiten für Frauen und Flüchtlinge, Probleme von Kindern mit Behinderung. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen konnten sie die wichtigsten sozialen Probleme in ihren Gebieten benennen. Es gab regen Austausch über bewährte und weniger bewährte Verfahren und Vorgehensweisen bei der Aufklärung. Zwar befasste sich keine der NGOs speziell mit Genitalverstümmelung, doch alle waren grundsätzlich an der rechtlichen Gleichstellung im gesamten Irak interessiert. Einige Mitglieder der teilnehmenden Organisationen berichteten davon, dass sie bereits von Fällen von FGM in ihren Regionen gehört hatten.

„Nach der Umfrage und  Bekanntgabe über Verbreitung von FGM von Frauen, werden wir mit der nächsten Phase der Arbeit in den irakischen Provinzen beginnen, nämlich mit Bewusstseinsbildung und Aufklärung über die schädlichen Folgen von FGM“, erklärte Shokh Mohammed.

„Unser übergeordnetes Ziel ist es, FGM im Irak wie in der Region Kurdistan im Rahmen der Gesetze zur Bekämpfung häuslicher Gewalt zu verbieten und dieses Phänomen schrittweise zu eliminieren.“

Wadis Teams führten 2012–2014 Umfragen in den Provinzen Kirkuk und Nasiriyah durch. „Wir haben festgestellt, dass dieses Phänomen existiert, würden aber gerne eine neue Umfrage für Bagdad, Basra und Maysan durchführen“, sagte Shokh.

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„Wir verstärken unsere Seminare in Gebieten von Erbil, in denen wir den Verdacht haben, dass es immer noch FGM gibt“, sagte Kani Majid vom Wadi-Team in Erbil.

Auch das Wadi-Team in Ranya betonte, dass es in ihren Gebieten immer noch Fälle von FGM geben würde, allerdings weniger als vor Beginn ihrer Arbeit. (Aus einem Artikel von Kirkuk Now)

Es gibt wenig Daten über die Häufigkeit von Genitalverstümmelungen im Zentral- und Südirak. Wadi würde gerne neue Erhebungen durchführen, um eine aktuellere Studie über die FGM-Prävalenz in den verschiedenen Provinzen des Irak zu erstellen. Die Beschaffung guter, zuverlässiger Daten ist immer Wissenschaft und Kunst zugleich und auf jeden Fall ein wichtiger erster Schritt, um festzustellen, ob ein Problem existiert oder nicht. Doch selbst wenn die Erhebung neuer Daten ergeben würde, dass die Zahl der Genitalverstümmelungen im Zentral- und Südirak gering oder nahezu gleich Null ist, würde Wadi dennoch ein Gesetz zum Verbot dieser Praxis fordern.

Denn wenn es nur in einem Teil des Landes ein Gesetz gibt, in anderen Teilen aber nicht, was sollte Eltern davon abhalten, ihre Töchter auf Kurztrips über die Grenze zu bringen und dort FGM durchführen zu lassen? Im Rahmen der STOP FGM – Kampagne von Wadi für den Nahen Osten und Asien ist die regelmäßige Durchführung von Untersuchungen und das Sammeln von Daten über die Praxis der Genitalverstümmelung ein wichtiges Instrument, um mehr Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass Genitalverstümmelung kein „afrikanisches“, sondern ein globales Problem ist, dem wir viel mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Dabei geht es von gesetzlichen Verboten bis hin zur Aufklärung von Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft über die Leiden und langfristigen Schäden, die durch diese Praxis verursacht werden können.

Local media reports fom the conference

Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende die laufenden Kampagnen gegen FGM in Kurdistan im Irak fortzuführen.