Veranstaltung am Internationalen Tag gegen FGM: Noch immer finden Genitalverstümmelungen in Irakisch-Kurdistan statt.

Bei einer von Wadi in Suleymaniah organisierten Veranstaltung zum Internationalen Tag gegen FGM berichteten Aktivistinnen, dass trotz gesetzlichem Verbotes weiterhin, Genitalverstümmelung von Mädchen in Irakisch-Kurdistan  praktiziert wird.

Von Mena Watch, 12.02.2026

(Bild: Podiumsdiskussion in Suleymaniah, Quelle: Hmn Abdulrahman) 

Mehr als ein Jahrzehnt nach den gesetzlichen Verboten und entsprechenden Aufklärungskampagnen sind laut den Daten einer deutsch-irakischen NGO weiterhin junge Mädchen in Teilen der autonomen Region Irakisch-Kurdistan von Genitalverstümmelung (FGM) betroffen. Die Organisation Wadi, die sich seit fast zwanzig Jahren in der Region dagegen einsetzt, meldete im vergangenen Jahr 74 Fälle von Mädchen unter zehn Jahren im Bezirk Raparin in der Provinz Sulaimaniyya.

Die Bekanntgabe der Fälle erfolgte während einer Podiumsdiskussion am 5. Februar, einen Tag vor dem International Day of Zero Tolerance for Female Genital Mutilation. Die Veranstaltung, die von Wadi und lokalen Gruppen, darunter die Organisation für die Aufklärung und Entwicklung von Frauen und Kindern im Irak (ADWI), in Sulaimaniyya organisiert wurde, verdeutlichte den Grund zur Besorgnis über die Praxis, welche trotz strenger Gesetze und zunehmender Beweise für die Schäden für die von ihr Betroffenen fortdauert.

Chiro Omar, Mitglied des ADWI-Feldteams, sagte, die FGM-Fälle seien in den Bezirken Rania und Qaladze aufgedeckt worden. »Diese Zahlen sind zutiefst beunruhigend«, sagte sie und fügte hinzu, dass die Eingriffe oft an Kindern vorgenommen würden, die zu jung seien, um zu verstehen oder zu berichten, was geschehen sei. Das Gesetz gegen häusliche Gewalt der Region Kurdistan stellt FGM unter Strafe und sieht Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen von bis zu fünf Millionen irakische Dinar (3.200 Euro) vor. Aktivisten sagen jedoch, dass die Durchsetzung des Gesetzes mangelhaft ist und die Praxis oft im Verborgenen stattfindet.

Gesetz nicht ausreichend

Der Leiter der Irak-Mission von Wadi, Thomas von der Osten-Sacken, erläuterte, dass seine Organisation ihr Programm gegen FGM im Jahr 2004 gestartet habe, als nur wenige in der Region über dieses Thema sprachen. »Es hat Jahre gedauert, sowohl die lokalen Gemeinschaften als auch die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass FGM nicht auf Afrika beschränkt ist, sondern auch im Nahen Osten existiert.«

Osten-Sacken legte dar, dass vor Beginn der langfristigen Kampagne sechzig bis achtzig Prozent der Frauen und Mädchen in mehreren Gebieten Irakisch-Kurdistans von FGM betroffen waren. Seit damals seien die Gesamtzahlen dramatisch zurückgegangen, sodass die Region Garmian und die Provinz Halabdscha vor vier Jahren für FGM-frei erklärt werden konnten, »aber in Gebieten wie in Teilen der Provinz Erbil werden immer noch Fälle gemeldet«. Aufgrund starker traditioneller und religiöser Überzeugungen bestehe die Praxis in der Region weiterhin, so Osten-Sacken. Einige Anhänger der dort verbreiteten Shafi‘i-Schule des islamischen Rechts betrachteten die Beschneidung von Mädchen als religiöse Pflicht, ähnlich wie die Beschneidung von Knaben. »In Wirklichkeit geht es hier um die Kontrolle über Frauen und Mädchen.«

AWDI-Direktorin Bakhan Jamal erklärte, dass die FGM-Raten in verschiedenen Regionen in Kurdistan und im Irak erheblich variieren. »Zivilgesellschaftliche Organisationen haben eine wichtige Rolle bei der Eindämmung dieser Praxis gespielt, aber die Erklärung einer Region zur FGM-freien Zone bedeutet nicht, dass das Problem beseitigt ist. Seltene Fälle kommen immer noch vor.« So habe ihre Organisation 77 Mädchen unter zehn Jahren identifiziert, die einer Genitalverstümmelung unterzogen worden waren, in der Regel von ihren Müttern oder nahen weiblichen Verwandten. »Da dies innerhalb der Familien geschieht, kommen nur sehr wenige Fälle vor Gericht«, erklärt die Direktorin.

Jamal warnte auch vor den weitreichenden sozialen Auswirkungen von FGM, darunter Ehekonflikte und Polygamie. »Wir haben Fälle dokumentiert, in denen Ehemänner eine zweite Frau geheiratet haben, weil ihre ersten Frauen nach der Verstümmelung ihr sexuelles Verlangen verloren hatten. Dies führt zu ernsthaften Problemen in der Familie und veranlasst Ehemänner, eine zweite Frau zu heiraten.«

Jamal wies auch darauf hin, dass es im Irak noch immer kein Bundesgesetz gibt, das die weibliche Genitalverstümmelung eindeutig verbietet und die Zusammenarbeit zwischen der Zentralregierung in Bagdad und Nichtregierungsorganisationen nach wie vor begrenzt ist. »Es wird angenommen, dass diese Praxis auch in anderen Teilen des Iraks weit verbreitet ist«, sagte sie, weshalb Aufklärungskampagnen, die sich an Mütter, Hebammen und religiöse Führer richten, für die Beendigung von FGM unerlässlich sind: »Ohne eine Änderung der Überzeugungen auf Gemeindeebene wird das Gesetz alleine nicht ausreichen.«

(Video: Bericht von NWE über die Veranstaltung)