Projekte in Syrien und Unterstützung syrischer Flüchtlinge

Seit fast fünf Jahren herrscht in Syrien ein blutiger Krieg, den das Regime Assads mit Unterstützung des Iran, der Hisbollah und Russlands gegen die Opposition im Lande führt.  Inzwischen sind über 12 Millionen Syrer Flüchtlinge oder „internaly displaced“, ganze Orte oder Stadtviertel liegen in Trümmern, und von den Forderungen von 2011, als überall im Lande Demonstranten auf die Straße gingen, um mehr Freiheit und Demokratie zu fordern, ist wenig geblieben.

syrian

Stattdessen setzte das Regime auf brutale Gewalt – es feuerte mit Artillerie in Wohngebiete, ließ Zehntausende verhaften und foltern, und es setzte mehrfach Giftgas gegen die Bevölkerung ein. Mehr als 250 000 Menschen sind seitdem getötet worden, unzählige weitere verletzt.

Die Mitarbeiter/innen von WADI solidarisierten sich vom ersten Tag der Aufstände mit den Zielen der Protestierenden, die für ein freies, plurales und demokratisches Syrien kämpfen. WADI unterstützt seither verschiedene Initiativen, Projekte und Organisationen in verschiedenen Teilen Syriens.

Auch halfen Mitarbeiter von Wadi etwa im Sommer 2011, ein Konzept für die Zukunft der kurdischen Gebiete in Syrien zu entwickeln. Sie stellten zudem ihre langjährige Erfahrung beim Aufbau verschiedenster Projekte zur Verfügung.

Partner in Syrien

Der Partnerorganisation Zelal half Wadi beim Aufbau eines Community Radios in Darbassiya, das ähnlich wie Radio Dangue Nwe in Halabja arbeitet. Zudem unterstützt Wadi zwei Spielbusse für Kinder und mobile medizinische Teams.  Seit Jahren betreibt Zelal erfolgreich ein Frauen- und Jugendzentrum.

Nothilfe für Giftgasopfer in Syrien

In den, von Assads Truppen eingekesselten, Vororten von Damaskus, die wie Ghouta auch Opfer von Giftgasangriffen wurden, unterstützt Wadi gemeinsam mit dem Green Cross die Organisation Al-Seeraj, die trotz schwierigster Bedingungen und teilweise unter Dauerbombardement der syrischen Armee vor Ort medizinische und soziale Hilfe  leistet.

Im Mai 2014 etwa konnte Al Seeraj durch die Unterstützung von Green Cross und Wadi in verschiedenen Stadteilen Ghoutas dringend benötigte Medidikamente und Impfstoffe an Tausende von Menschen verteilen, vielen von ihnen waren unmittelbar von den Giftgasangriffen betroffen.

Im August 2014  haben Mitarbeiter von Al Seeraj und Wadi ein Dossier zum Jahrestag der Giftgasangriffe auf die Ghoutas erstellt.

Dieses Dossier enthält Interviews mit Augenzeugen und Überlebenden, Hintergrundinformationen über die Lage in Syrien heute und erinnert an die deutsche und europäische Beteiligung bei der Herstellung von Chemiewaffen in Syrien, dem Irak und Libyen. Außerdem enthält es Stellungnahmen von Überlebenden der Giftgasangriffe auf die irakisch-kurdische Stadt Halabja.

Arbeit in Flüchtlingslagern

Auch nach Irakisch-Kurdistan sind Hunderttausende Syrer geflohen. Sie leben dort in Flüchtlingslagern. Im Camp Arbat unterstützt Wadi als Teil eines lokalen Netzwerkes namens Hana vor allem Kinder und Frauen. Ein Wadi-Spielbus besucht das Lager regelmäßig, außerdem versorgt Hana die Flüchtlinge mit Kleidung, Spielsachen, Decken, Hygieneartikeln und anderen dringend benötigten Materialien.

Die Afrin Schule

Kinder von Flüchtlingen aus dem syrisch-kurdischen Kriegsgebiet haben in Nord-Irak keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, wenn sie und ihre Eltern nicht in einem Flüchtlingscamp leben, sondern privat untergekommen sind. Die örtlichen Schulen nehmen sie nicht auf. Internationale Organisationen kümmern sich zumeist nur um diejenigen, die in den Camps leben. Deshalb haben sich einige Syrer zusammengeschlossen und im Januar 2015 in Eigeninitiative eine Schule für ihre Kinder gegründet.

Die „Afrin“-Schule befindet sich in Bainjan, etwa 30 km von der Provinzhauptstadt Suleimaniya entfernt. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts und Ein Herz für Kinder konnte WADI gemeinsam mit den Organisationen Reach und Diakonya die Syrer beim Aufbau und Betrieb ihrer Schule unterstützen. Es wurde ein Gebäude gemietet und Mobiliar angeschafft. Das kurdische Erziehungsministerium übernahm die Schirmherrschaft – so ist gewährleistet, dass die Abschlüsse anerkannt werden. Die kurdische Regierung steuert die Gehälter für den Direktor und zwei irakisch-kurdische Lehrer bei. Alle anderen laufenden Kosten müssen anderweitig aufgebracht werden. Alle übrigen syrischen Lehrer arbeiten ehrenamtlich.

Bild.de-Bericht über die Afrin Schule: „In dieser Schule lernen Kinder für das Leben.“

An der Schule wird von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet. Derzeit besuchen insgesamt 190 Kinder den Unterricht. Neben Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport, Musik und Malen wird auch ein Theaterworkshop angeboten, der es den Kindern ermöglicht, sich auszudrücken und traumatische Erfahrungen spielerisch zu verarbeiten. In einem Malworkshop im Sommer ging es ebenfalls um die Bearbeitung von Ängsten und Erlebnissen. Daraus entstanden eine Reihe eindruckstarker Bilder, die am 15. September 2015 in einer Ausstellung gezeigt werden konnten. Die meisten Bilder setzten sich mit der Not der Flüchtlinge auseinander, viele zeigten auch den Jungen Aylan, der auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrank. Auf einem Bild stand „Wir wünschten Du wärst nie nach Europa gegangen und wärst noch unter uns. Wir glauben noch ans Leben und an Farben.“

Doch unter den Eltern denken viele über eine weitere Flucht nach Europa nach. Da sie nicht in einem Flüchtlingslager untergekommen sind, können sie im Irak kaum überleben. Sie müssen die Miete für oft schäbigste Unterkünfte selbst aufbringen und auch ihr Essen selbst kaufen, eine Chance auf Arbeit haben sie in der Regel nicht.

Hindren Abdullah (26) ist aus Damaskus geflohen. Sie ist Englisch-Lehrerin an der Schule – ehrenamtlich, wie alle hier

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